Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
392 Literaturberichte 
Geyer, P., Der deuntsche Aufsatz. (Handbuch des deutschen Unterrichts an höheren 
Lehranstalten herausgegeben von A. Matthias, 1, 2.) Zweite Auflage. München 1912, 
C. H. Beck. 343 S8. geb. 7 Mk, 
Für diese zweite Auflage wurden die Wünsche und Anregungen, zu denen die erste Auf- 
lage Veranlassung gegeben hatte, wie der Verfasser vergichert, Sorgfältig geprüft und manchem 
Wunsche, wenn er dem Verfasger berechtigt erschien, Rechnung getragen. Einer solchen 
Anregung verdanken wir es, daß in dieger zweiten Auflage eine ganze Reihe geschichtlicher 
und bürgerkundlicher Themen Aufnahme fand. Mit Recht will der Verfasser aber aus diesem 
Gebiete nur solche Themen zur Bearbeitung zulassen, die eine gewisse typische Bedeutung 
haben, die große Zusammenhänge, Entwicklungen, vergleichende Übersichten behandeln und 
deren Stoff infolgedesgen nicht in jedem Lehrbuch zu finden ist. Sogar ein fachmännisches 
Thema wird S. 142 behandelt, um zu zeigen, daß der Verfasger die Früchte, die man vom 
grünen Baum des Lebens pflückt, durchaus nicht verachte. Überhaupt ist der Verfasger der 
Ansicht, daß die Aufsatzpraxis in nicht zu ferner Zeit von dem bigsherigen Kurse abweichen, 
also gich nicht mehr fast auf die bisher in Deutschland 80 beliebten ägthetischen und lite- 
rarischen Themen, die sich auf Handlung und Charakteristik in epischen und dramatischen 
Werken beziehen, beschränken, sondern daß die realistische Strömung der Jetztzeit auch auf 
die Aufsatzpraxis übergreifen wird; aber er ist auch überzeugt, daß die Fülle und Vielzeitig- 
keit des heutigen realen Wisgens als Gegengewicht die Vertiefung in das eigene Selbst, die 
Erkenntnis oberster Prinzipien fordert und daß deswegen die Bearbeitung philosophischer 
Themen jetzt erst recht geboten ist, begonders Solcher aus dem Gebiet der angewandten 
Ethik, zumal wenn gie auf Soziale Fragen Bezug nehmen. Solche Themen aus dem Gebiete 
der angewandten Ethik, die ganz besonders in England geschätzt sind und die auch bei uns 
die Zukunft für zich haben dürften, will aber der Verfasser nur 80weit zulassen, als die An- 
wendung auf Verhältnissge und Pergsonen stattfindet, die für die Schule wichtig genug gind. 
Im übrigen ist der Aufbau des Werkes der gleiche geblieben: auf einen theoretischen Teil, 
der gich mit der Lehre yom Aufsatz befaßt, folgt ein praktischer Teil, der eine Fülle von 
Aufgsatzstoffen für die einzelnen Klassen bietet. So wird das Buch auch in der neuen Auf- 
lage auf dem viel umstrittenen Gebiet des deutschen Aufsatzes klärend und belehrend wirken. 
Es kann den Lehrern des Deutschen in den höheren Schulen nur empfohlen werden. 
Freiburg 1. B. L. Zürn. 
Stahl, A., Mensch und Welt. Ein Beitrag zur philosophischen Unterweisung. Epikur 
und die Stoa. Wesgel 1909, Buchdruckerei C. Kühler. 88 S8. 
Diese kleine Schrift ist ein selbständiger und wohlgelungener Verguch, in die Grund- 
gedanken der epikureischen und der stoischen Philosophie einzuführen und dadurch der philoso- 
phischen Propädeutik zu dienen. Stahl gibt zuerst eine quellenmäßige Darstellung der wichtig- 
Sten Teile beider Systeme. Liebevoll eingehend schildert er, wie die Epikureer gich durch die 
Isolierung der Götter und durch ihre atomistiseche Welterklärung die Ruhe des Gemütes zu 
verbürgen suchten, wie zie zich Mensch und Welt gleichen, ewigen Gegetzen unterworfen, 
aber auch durch das Band einer unerklärbaren Sympathie miteinander verbunden dachten ; 
Schön ist auch die Darlegung über Epikurs vielgelästerte 7100v71, die Stahl mit Recht nicht 
als ethischen, 8ondern psychologischen Begriff faßt. Die Abgchnitte über die Stoa umfasgen 
zunächst die Kapitel „Welt“ und „Gottheit“. An der stoischen Lehre von der körperlich ge- 
dachten, das ganze All durchdringenden und ordnenden, gütigen Weltvernunft läßt Stahl die 
Erkenntnis gewinnen, „daß man: von der Gottheit nicht anders sprechen kann als in Per- 
Sönlichkeitswerten“. Den Menschen und gein Weltverhalten behandelt der zweite Abschnitt: 
er beweist, wie das „Leben der Natur gemäß“ nur die Vorstufe ist zu dem „Leben der Ver- 
nunft gemäß“, und bespricht die Lehre von der Überwindung der Affekte und der Heilung der 
Seele durch die rechte Erkenntnis. Es folgen diesen Darlegungen eine Reihe wichtiger Beleg- 
Stellen : ihre Brauchbarkeit wäre erhöht, wenn einigen der Schwerverständlichen philogophischen
	        

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