Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
448 | Die Univerzitätsbildung in Bulgarien. 
wurden zu ihrer weiteren Ausbildung noch mit Staatsstipendien ins Ausland 
geschickt. Einer von diegen kehrte nach fünf Jahren als erster unter den 
auf der bulgarischen Hochschule ausgebildeten Hochschullehrern zurück ; 
er wurde Dozent für Geographie an der heimatlichen Hochschule und bewies 
dadurch, daß auch auf einheimischem Boden der Grund zu jener Bildung 
gelegt werden kann, welche zur erfolgreichen Tätigkeit an der Hochschule 
Selbst befähigt. Ein Jahr später entließ auch die physiko-mathematische 
Fakultät, welche in diesem Jahre durch Ernennung von Profesgoren für 
Zoologie, Botanik, Mineralogie und Geologie den Kreis ihrer Vorlesungen 
erweitert hatte, die 23 ersten Abgsolventen. 
Im Herbste desselben Schuljahres 1892 wurde endlich auch eine Rechts- . 
fakultät mit 7 Dozenten und 67 Studenten eröffnet. Damit hatte die Hoch- 
Schule vorläufig eine Erweiterung erreicht, welche für längere Zeit genügen 
Sollte, da theologische Fakultäten gewöhnlich an Uniyvergitäten griechisch- 
orthodoxer Staaten nicht bestehen, Sondern die Theologen an besonderen 
theologischen Akademien ausgebildet werden, und da ferner in einem 80 
Jungen Staat wie Bulgarien mit einer verhältnismäßig geringen Bevölkerung 
und mit nicht 8ehr reichlichen Budgetmitteln an die Eröffnung auch einer 
mediziniSchen Fakultät nicht 80 Schnell geschritten werden konnte. Im 
Sommer des Jahres 1895 verließen auch die ersten auf vaterländischem 
Boden ausggebildeten Juristen die Hochschule. Damit war ein neuer Ab- 
Schnitt in der Hochschulbildung im Lande erreicht. Die neue Periode, 
die nun begann, führte zu einer weiteren Ausgestaltung der Hochschule, 
welche In einem neuen Gegetz ihren Ausdruck fand. Das Gesetz vom 
Jahre 1894 gab ihr auch äußerlich den Charakter einer Univergität. So 
wurden die bisherigen „Abteilungen“ der Hochschule Fakultäten genannt. 
Ihre Dozenten bildeten einen besonderen Fakultätsrat, dem die Obliegen- 
heiten der betreffenden Fakultät überlassen wurden, während die allge- 
meinen Angelgenheiten der Hochschule dem „akademischen Rat“ zufielen. 
Die Dozenten, in drei Rangstufen als Privatdozenten, außerordentliche 
und ordentliche Professoren unterschieden, sollten vom Minister aus drei 
vom akademischen Rat vorgeschlagenen Kandidaten ernannt werden. Die 
Dauer des Lehrkurgus wurde im Gegetz nicht festgesetzt, Sondern es wurde 
dem akademischen Lehrkörper überlasgen, ihn nach eigenem Gutdünken 
auf vier Jahre zu verlängern. 
Diese allgemeinen Anordnungen wurden in einem besonderen Reglement, 
welches vom akademischen Rat ausgearbeitet und im Anfang des Schul- 
jahres 1896/97 vom Minister veröffentlicht wurde, erweitert und dadurch 
der Hochschule noch mehr der Charakter einer Univergzität verliehen. 
So wurde darin die Dauer des Lehrkurgus für alle drei Fakultäten endgültig 
auf vier Jahre festgeSetzt, die im Gegetze nur angedeutete Autonomie 
der Hochschule verwirklicht, und den Studenten mehr Freiheit in der 
Wahl der Gegenstände überlasgen; auch wurden ihnen Erleichterungen
	        

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