Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
Die Univerzitätsbildung in Bulgarien. 453 
 
endigt hatten, 12 Philosophen, Philologen und Historiker, 5 Mathematiker 
und Chemiker und nicht weniger als 83 Juristen. Wenn wir einen Vergleich 
mit den Studierenden an den deutschen Univerzgitäten anstellen, 80 finden 
wir, daß im Jahre 1911/12 in Deutschland auf eine Million Einwohner 
240 Philosophen, Philologen und Historiker (worunter auch viele Aus- 
länder) entfallen, in Bulgarien (ohne die im Augslande Studierenden) 160, 
Mathematiker und Naturwisgenschaftler in Deutschland 130, in Bulgarien 80, 
und Juristen in Deutschland 165, in Bulgarien 280! Diese bedeutende 
Zahl Studierender, die unter gewöhnlichen Umständen nach Jahren viel- 
leicht doch eine Kalamität für das Land hätte werden können, kommt 
jetzt, wo Sich in den durch den Krieg neuerworbenen Gebieten ein Weites 
Feld nützlicher Tätigkeit für gebildete junge Leute eröffnet, Sehr gut zu 
Statten. Es wird auch in der ersten Zeit Sich kein besonders empfindlicher 
Mangel an jungen Leuten mit höherer Bildung fühlbar machen. 
Jetzt, wo Bulgarien gich 80 vergrößern wird, kann man auch bald zur 
Eröffnung einer medizinischen Fakultät schreiten, die man 8onst Sehr 
vermisgen würde. Im gegenwärtigen Kriege wurde ohnehin der Mangel an 
Ärzten schmerzlich empfunden. Den Soldaten scheint besonders die erste 
ärztliche Pflege Sehr gefehlt zu haben. 
Das Budget der Univergzität betrug für das Finanzjahr 1911 über 640 000 
Franken, wovon 464 000 auf das Personal entfielen, über 30 000 auf die 
Bibliothek, 40 000 auf die wisgenschaftlichen Institute und 107000 auf 
andere Ausgaben. Für Bücher und Zeitschriften für die Universitäts- 
bibliothek gowie für die Seminarien und Institute Sind im Schuljahr 1911/12 
gegen 37 000 Franken ausgegeben worden, wovon über 10 000 für Zeit- 
Schriften. Es gind während diesges Jahres 3110 Werke in 5670 Bänden 
angeschafft worden, wovon 460 Werke in bulgarischer Sprache, 505 in 
rusgiScher, 980 in deutscher, 555 in franzögischer, 200 in englischer und 410 
in anderen Sprachen. Von den 508 Zeitschriften, die die Univerzitätsbiblio- 
thek bezog, waren 41 in bulgarischer Sprache, 49 in russischer, 198 in deut- 
Scher, 124 in franzögischer, 25 in englischer und 71 in anderen Sprachen. 
Am Schlusse des Schuljahres hatte die Bibliothek 43 140 Werke in 
79 000 Bänden, wovon 5505 Werke bulgarisch, 9010 russisch, 12 260 deutsch, 
9815 franzögisch, 1910 englisch und 4640 in anderen Sprachen waren. 
Die Kollegiengelder, welche nur 20 Franken pro Semester betragen 
und bloß von vermögenden Studenten gezahlt werden, gehen nach An- 
ordnung des Gegetzes in den allgemeinen Univerzitätsfond, welcher Ende 
des Schuljahres 1911/12 sich auf etwa 350 000 Franken belief. Dieser 
Fond dient zur Unterstützung wisgenschaftlicher Studien der Dozenten 
und Asgistenten, für Reprägentationskosten der Univerzität, 80wie zur 
Herausgabe wissenschaftlicher Arbeiten der Dozenten und Azssistenten. 
Aus demselben Fond werden die Auslagen für das Univergitätsjabrbuch 
bestritten, welches Seit 1905 erscheint und sowohl offizielle Angaben über 
Pädagogisches Archiv. 30
	        

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