Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
un Literaturberichte. 533 
bigher im Gymnagium nur bis zur Tertia und in den Realanstalten nur bis zur Untersekundsa 
gepflegt wurde --- wenn wir von dem Zeitraum von 1859 bis 1879 absehen, in dem in den 
Oberklaggen der preußischen Realschulen I. Ordnung Biologie getrieben wurde --, daß also 
gerade diejenigen Probleme, die den Menschen am meisten intereggieren, bisher auf der Schule 
überhaupt nicht behandelt und dem Verständnis des Schülers nahegebracht werden konnten. 
Die große Menge der Gebildeten besitzt deshalb noch vielfach für die Probleme der Biologie 
wenig oder gar kein Verständnis und steht den in der populär-wissgenschaftlichen Literatur 
entwickelten Lehren und Hypothegen meist völlig kritiklos gegenüber und nimmt das, was 
das Produkt einer mehr oder weniger regen Phantasgie ist, als Ergebnisse der Forschung, 
als wisgenschaftliche Erfahrung hin. Hier Wandel zu schaffen, dafür zu sorgen, daß die- 
jenigen, welche die höhere Schule aus der Oberstufe verlasgen, mit einer gewisgen Urteils- 
fähigkeit in den für unsere ganze Lebens- und Weltanschauung 80 wichtigen biologischen 
Lehren ausgerügtet werden, ist die Hauptaufgabe des neuerdings wieder in die Oberstufe 
zugelaggenen biologischen Unterrichts. 
Wer in diegem Sihne biologischen Unterricht in den Oberklassen geben will, wer weniger 
Wert darauf legt, dem Schüler eine Fülle von biologischen Einzelheiten vorzuführen als ihn 
an der Hand von wenigen Beispielen in die Anschauungs- und Denkweise der Biologie ein- 
zuführen und den Schüler allmählich zu derjenigen Urteilsfähigkeit in biologischen Fragen 
zu erziehen, die zur Würdigung der gerade in der Biologie 80 zahlreich auftretenden Hypothesen 
unerläßlich ist, findet in der vorliegenden Schrift des bekannten Kieler Botanikers einen 
trefflichen Berater. In 15 Kapiteln hat der Verf., mit der Lehre von der Zelle beginnend 
und mit der Degzendenztheorie schließend, die wichtigsten und bedeutsamsten biologischen 
Fragen behandelt und damit dem Lehrer nicht nur die Stoffauswahl, sondern auch das Suchen 
nach der Form der Darbietung wegentlich erleichtert. 
Aber nicht nur der Lehrer der Biologie, gondern auch jeder Gebildete, der aich mit den 
Hauptlehren der biologischen Wisgenschaft vertraut machen will, wird das Buch mit eben- 
goviel Interesse wie Gewinn studieren. 
Belgard. Alb. Salow. 
Trinkwalter, Oberlehrer L., Außerdeutsche Kultur- und Nutzpflanzen. Leipzig 
1910, Quelle & Meyer. 84 S. geb. 1,20 Mk. 
Seitdem Deutschlands Handel eine ungeahnte räumliche und gachliche Ausdehnung 
genommen hat, indem er allmählich alle Produktionsgebiete der Erde in den Bereich des 
Güteraustausches einbezogen hat, hat die Einfuhr an fremdländischen Pflanzenprodukten 
einen gewaltigen Umfang angenommen, und ausländische Erzeugnisse aus dem Pflanzen- 
reich gind vielfach für die heutige Gegstaltung des deutschen Wirtschaftalebens von aus- 
chlaggebender Bedeutung geworden, sei es, daß sie unter den Nahrungsmitteln eine bedeu- 
tende Rolle spielen, 8ei es, daß Sie als Rohmaterialien für große Industrien die Grundlage bilden 
Dem zich infolgedessen allgemeiner zeigenden Bedürfnisse, aich über das Wisgenswerteste 
der ausländischen Kulturpflanzen zu unterrichten, will das vorliegende Bändchen entgegen- 
kommen, indem es die wichtigsten außerdeutschen, meist tropischen Nutzpflanzen schildert 
und die Gewinnung, weitere Verarbeitung und Verwendung der aus ihnen etammenden 
Produkte beschreibt. Da der Verf. vielfach die Gelegenheit benutzt, auf die Bedeutung 
ungerer eigenen Kolonien als Lieferanten wichtiger Erzeugnisse hinzuweisen, 80 kann das 
Buch nicht wenig dazu beitragen, Sinn und Verständnis für ungere kolonialen Bestrebungen 
zu wecken und zu fördern. 
Inzwischen igt bereits eine auch äußerlich in schmuckem Gewande gich darbietende 
zweite Auflage des Werkchens unter dem Titel „„Ausländiscbe Kultur- und Nutzpflanzen“ 
erschienen, ein Beweis dafür, daß ein wirkliches Bedürfnis vorhanden war und befriedigt 
wurde, . 
Belgard. Alb. Salow.
	        

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