Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
572 Die freiere Gestaltung des Unterrichts in der Prima. 
 
velekten, die neben dem gewöhnlichen Primaunterricht herlaufen gollten. 
Seine Begründung erinnert lebhaft an die Ausführungen Pestalozzis; 
Ich führe zum Beweise nur den einen von Hornemann!), dem verdienst- 
lichen Wiedererwecker dieges Schulprogramms, zitierten Satz an: „Das 
Fehlerhafte der gegenwärtigen Organigation, Sowohl hingichtlich des 
lateinischen Unterrichts wie im allgemeinen liegt, wenn ich nicht gehr 
Irre, hauptgächlich da, wo es auch gerade in den Regultaten hervortritt, 
nämlich auf der obersten Stufe, der Prima, und besteht im wegentlichen 
darin, daß die freie Selbsttätigkeit zu wenig gefördert wird. Dies kann 
aber nur dann in erfolgreicher Weise geschehen, wenn der Individuali- 
tät der Schüler, wie dies für die Maturitätsprüfungen durch die Instruk- 
tion von 1846 in umsichtigster Weise vorgegchrieben ist, auch in der Ein- 
richtung des Unterrichts genügend Rechnung getragen wird, auf welche 
jene Bestimmungen der Instruktion bis jetzt fast ganz ohne Rückwirkung 
geblieben gind.“ 
Von neueren Pädagogen hat gsich besonders Paulsen für die Bewegungs- 
freiheit eingesetzt. Ihm ist es eigentlich zu verdanken, wenn die ganze Frage 
im Jahre 1905 wieder in Fluß gekommen ist. ?) In Seiner ruhig-sachlichen, 
vornehmen Art begründet er in einer Reihe von Aufsätzen die Richtigkeit 
des Gedankens der Bewegungsfreiheit. 3) 
Paulsens Anregungen gind denn auf fruchtbaren Boden gefallen und 
baben in den Jahren 1906 und 1907 eine ganze Reihe von Abhandlungen 
zur Folge gehabt, die in den bekannten pädagogischen Zeitschriften er- 
Schienen Sind. Begonders bereitwillig hat die „Monatgchrift für höhere 
Schulen“ Auslassungen über diese Frage ihre Spalten geöffnet. Ist docb 
Adolf Matthias, ihr Herausgeber, noch heute ein leidenschaftlicher und 
begeisterter Verehrer einer freieren Unterrichtsgestaltung, wie noch gein 
Soeben erschienenes, uns 80 jugendfrisch anmutendes Buch »„Erlebtes und 
Zukunftsfragen“ *) beweist. 
1) vgl. Hornemann, N.J.f.d. kl A. u. Pädag. 1906. IL. Abt. XVIII Bd. 8. 440ff, 
2) Schon 1894 hat P, in geiner Gegschichte des Gelehrten Unterrichts (2. Aufl. 8. 637 ff.) 
vergucht, für die Bewegungsfreiheit Stimmung zu machen. 
3) Es ist gehr hübsch zu bemerken, wie für ihn den Ausgangspunkt eines geinerzeit 
besonders beachteten Artikels (er erschien in der Sonntagsbeilage der Vosgischen Zeitung 
Nr. 42 zu Nr. 585 des Jahres 1905) das Gurlitt'sche Buch „Der Deutsche und Seine 
Schule““ bildet und wie er die gengationsbascherische Mache dieger Publikation in Gegen- 
Satz bringt zu den ernsthaften und gewisgenhaften, vom Philologenstande ausgehendsn 
Versuchen, ungere Schule wieder einen Schritt vorwärts zu bringen; durch diese Ver- 
gauche würden auch innerhalb der verschiedenen Schulformen der freien, dem eigenen 
Trieb entsprechenden Betätigung des einzelnen mehr Raum zur Entfaltung geschaffen, 
vor allem auf der Oberstufe: „Sie gehen von der Anschauung aus, daß jedes Werk der 
Liebe und Freiheit für die Bildung der geistigen Persönlichkeit mehr bedeutet als durch 
Pengenarbeit erworbene KenntnissH.““ 
4) Vergl. begonders S. 154ff.
	        

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