Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
 
 
Sport und Spiel und die höheren Schulen. 45 
von einer „Leistung“ im Sinne der Wettruderei keine Rede gein 
kann.“!) Die gschwer faßbaren ethischen Werte aber des Ruderers treten 
nur beim Wanderrudern ein, während das Wettrudern auf moralisch un- 
gefestigte Naturen leicht einen nachteiligen Einfluß ausüben kann. Schweren 
Herzens vergage ich es mir, Ihnen die unendlichen Reize einer Ruderfahrt, die 
Stets neuen, immer wieder anderen Anregungen auf Herz und Sinn während 
einer Solchen, besonders auf ungeren gerade diesen Sport so abwechselungs- 
reich gestaltenden märkischen Wasgerstraßen, zu schildern, aber selbst ober- 
flächliche Überlegung wird gich gagen müssen, daß für die geistig-gittliche 
Ertüchtigung ungerer Jugend allein das Wanderrudern ersprießlich gein kann. 
Übergroßer Zeitverlust bei allzu eifriger Beteiligung an den Ruderübungen, 
noch gesteigert durch die oft nicht unbeträchtliche Entfernung des Boots- 
hauses von den Wohnungen der Schüler, ist nicht eine besondere Eigentüm- 
lichkeit gerade dieses Sportzweiges, verdient also nicht als begonders das 
Rudern belastend angeführt zu werden. Man bedenke dabei, daß schließlich 
auch die Spielplätze mancher Fußballvereine nicht näher sind und daß eben 
jeder intensiv betriebene Sport viel Zeit kostet, ein Maß, welches leicht in 
ein „Zuviel“ augartet. 
WÜ man übrigens der in ungerer Jugend liegenden Neigung, sich und ihr 
Können Zugschauern gelegentlich vorzufübren, nachgeben, 80 veransgtalte 
man Stil- und Schaurudern; gegen gsonstige Ruderfeste wird sich, wenn 
Sie gich nicht zu häufig wiederholen, zu große Anforderungen an Geldmittel 
und Zeit ungerer Schüler stellen, nicht zu ausgiebige Vorübungen und YVor- 
bereitungen erfordern und in den Grenzen bleiben, die Schülerfesten im 
Interesse einer gegunden Schulerziehung notwendig gesteckt Sein müsgsen, 
wenig Sagen lassen. Zum Schluß dieges Teiles meiner Darlegungen möchte 
ich, um jede Mißdentung auszuschließen, noch einmal betonen, daß ich die 
Ruderei an ungeren höheren Schulen nicht mehr entbehren möchte und daß 
ich wüngehte, alle höheren Schulen wären in der Lage, diesen wertvollen 
Teil der Leibesübungen zu betreiben, bekämpfen wollte ich nur ungegunde 
Auswüchse, Übertreibungen und auch die Überschätzung dieses Sportzweiges 
aus warmem Interegsse für ihn. " 
Aus mannigfachen hier nicht näher zu erörternden Gründen wird das 
Rudern. immer nur eine für einen geringen Teil ungerer Schulen bestimmte 
Übung sein und kommt für die Schulen jener Orte gar nicht in Betracht, 
die an Keinem oder an einem für den Rudersport ungeeigneten Wassger liegen. 
Für diese ein EFrgatz, für die anderen eine schöne Ergänzung bilden die 
Turnspiele, auch Bewegungsspiele genannt. Die Philantropisten haben 
zuerst einen geordneten Betrieb der Bewegungsspiele durch die Schule ge- 
fordert, und begonders ist es der im Jahre 1785 nach Schnepfenthal berufene 
Quedlinburger Pädagoge Guts-Muths, der durch gein noch heute lesenswertes 
1) A. 3. O., S8. 80.
	        

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