Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
592 Die freiere Gestaltung des Unterrichts in der Prima. 
 
Sie nicht vor einem geschickten Lehrer 80 gestaltet werden, daß Sselbst 
der Tüchtigste auf geine Rechnung kommt ? 
An letzter Stelle möchte ich Ihnen ein Verfahren gkizzieren, wie es an 
zwei verschiedenen Realgymnasgien eingeschlagen ist: in Elberfeld 
und in Reichenbach i. Schl. An dieger Anstalt wirkt als Direktor der 
fortschrittlich gesinnte, von echtem pädagogischen Geist erfüllte Geheim- 
rat Weck, der in unermüdlicher Arbeit für eine freiere Gestaltung-der 
VUnterrichtgorganigation eingetreten ist und der jetzt beim Minister die Ge- 
nehmigung für die dauernde Beibehaltung seines freien Unterrichtsplanes 
durchgegetzt hat. Ihm verdanken wir die Jüngste Veröffentlichung über 
die Bewegungsfreiheit, die uns ein anschauliches Bild von dem gibt, was 
an geiner Anstalt auf dem Wege der freien Gestaltung der Primapläne er- 
reicht wird!), und die für uns um 8o wertvoller ist, als Geheimrat Weck 
bei Abfasgung Seiner Brogchüre im Jahre 1912 bereits auf eine fünfjährige 
Probezeit zurückblicken konnte. 
In Reichenbach wie in Elberfeld (es ist wohl überflüssig, zu betonen, 
daß beide Organigationen ganz unabhängig voneinander entstanden sIind) 
werden die beiden Primen ähnlich wie am Strasburger Gymnagium in 
eine Sprachlich-historisSche und eine mathematisch-naturwisSenschaftliche 
Gruppe geteilt. Gemeingam bleibt für beide Gruppen nur der Unterricht 
in Religion und Deutsch, in Reichenbach auch in Geschichte und Erdkunde. 
Im Lateinischen haben die Elberfelder Sprachler in Unter- und Öberprima 
je vier Wochenstunden, die Mathematiker je drei. Die Entlastung dieger 
erfolgt im Gebiete des Grammatischen. Im Französischen haben die 
Sprachler fünf Wochenstunden, dagegen die Mathematiker nur zwei. 
In diesen zwei Stunden werden nur leichtere historische Werke und Un- 
terhaltungsliteratur gelesen, ferner wenigstens ein Lustspiel von Moliere. 
Grammatische Übungen werden nicht abgehalten, Sprechübungen be- 
Schränken Sich auf Fragen und Antworten über den Lektürestoff und 
die gchriftlichen Arbeiten auf leichtfaßliche, kleine Nacherzählungen. Im 
Englischen haben die Sprachler vier Wochenstunden, die Mathematiker 
nur zweilL Der Unterrichtsstoff und Seine Behandlung ähnelt durchaus 
dem des Franzögischen. So wird nur ein Stück von Shakespeare gelesen. 
In der Gegschichte haben die Sprachler drei Wochenstunden, dagegen die 
Mathematiker nur zwei. In der Erdkunde haben beide Gruppen eine 
Wochenstunde. In der Mathematik haben die Mathematiker Sechs 
Wochenstunden, die Sprachler nur drei, in der Phygik diese zwei, jene vier 
Stunden, ebenso ist es in Chemie und Biologie. Ktwas anders stellen Sich 
die Zahlen in Reichenbach ; hier hat, wenn ich die Gruppe der Sprachler 
mit A, die der Mathematiker mit B bezeichne ; 
1) Die neuen Primapläne des Königl. Realgymnasiums in Reichenbach i. Schl., Breslau, 
"Hirt 1912.
	        

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