Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
Lebrerschaft und alkoholfreies Jugenderziehung. 625 
frage?) und von Vorträgen von Ärzten Sowie anderen sachkundigen Rednern, 
Behandlung der Frage auf Elternabenden unter Teilnahme der Lehrer, 
in den Konferenzen und in größeren Lehrerversammlungen?) u. a. m. Das 
alles ist Schön und gut und gicher auch nötig, und was in dieger Richtung 
von alkoholgegnerischen Vereinen Schon getan worden ist, kann nicht genug 
anerkannt werden. Aber was nützt schließlich, man verzeihe den Vergleich, 
die beste Medizin, wenn gie nicht oder nur mit äußerstem Widerstreben 
genommen wird? Wenn die Literatur nicht gelegen, die Kurse, die Aus- 
Stellungen und Vorträge nicht besucht werden ? Ohne eine gewisse Nötigung 
wird es wohl kaum abgeben, wenn man vorwärts kommen will. Um im 
Bilde zu bleiben: zuweilen wirkt auch eine nur widerwillig genommene 
Arznei ganz automatisch, wenn gie im Innern die Bedingungen vorfindet, 
die Sie zur Entfaltung ihrer wirksamen Eigenschaft braucht. Eine golche 
Nötigung, natürlich nur eine fast unmerkliche, wäre Sache des Leiters der 
Schule. Sein Einfluß ist zwar beschränkt, nicht gelten gleich Null, wenn 
Vorgsicht und Klugheit ihn im Stiche lagsen. Versteht er es aber, Sein Interesse 
für die Sache zur richtigen Zeit und in der richtigen Form zu zeigen, dann 
kann er es dahin bringen, daß offene Gegnergchaft gich in die Winkel ver- 
kriecht und Lauheit Sich erwärmt, unter Umständen auch in noch höhere 
Gefühlstemperaturen aufsteigt. Erleichtert könnte und möchte ihm diese 
Aufgabe dadurch werden, daß das Odium, das jedem Zwange, auch dem 
moralischen, fast immer anhaftet, möglichst von ihm genommen wird, daß 
Zz. B. behördlicherseits die Erörterung der erzieberischen Seite der Alkohol- 
frage nicht in das Belieben des Direktors gestellt, 8ondern angeordnet wird, 
mit der Forderung einer Rückäußerung über das Ergebnis der Besprechung. 
vo hat es z. B. die hesgische Oberschulbehörde bei ihrem Erlasse über die 
konferenzielle Behandlung der alkoholfreien Schulausflüge 1909 gemacht. 
An das unvermeidliche Wenn, d. b. an die Möglichkeit eines Vergagens 
des Direktors, möchte man hier am liebsten gar nicht denken, wo es 
Sich um Männer handelt, denen ihre Stellung und das Vertrauen der 
Behörde die Pflicht auferlegt, pädagogischen Fragen die Aufmerkseam- 
keit zuzuwenden, die gie verdienen. Auf jeden Fall aber ist in der langen 
Kette der mehr oder weniger schwierigen Voraussetzungen hier eins von 
1) Am bekanntesten zgind die Kurze, die alljährlich in der Osterwoche vom Berliner Zentral- 
verband zur Bekämpfung des Alkobolismus veranstaltet werden. Auch in anderen Städten 
baben schon golche Kurgse stattgefunden, wenn auch nicht regelmäßig, z. B. in Chemnitz, 
Colmar, Düssgeldorf, Köln, Münster, Saarbrücken. 
2) Leider stehen hygienische Themen nur gelten auf der Tagesordnung größerer Lehrer- 
vergammlungen. Zu den gieben, die ich in der Anm. S. 351 im Aufsatze „Abstinenzpädagogik 
in der höheren Schule“, Päd. Arch. 1912, Heft 6, angeführt habe (Sonderdruck im Verlage Y. 
Quelle & Meyer 3. 8) hat ich neuerdings (6. Juli 1913) ein Vortrag von Prof. Dr. Puls-Biele- 
feld über die Alkobolfrage als pädagogische und Standesfrage gegellt (auf dem 30. Westf. 
Philologentage). Über große Volksschullehrerversammlungen bin ich nicht genügend unter- 
richtet. Doch scheint die Alkobholfrage auch hier nur ganz vereinzelt behandelt worden zu ein, - 
Pädagogisches Archiv. - 40 

	        

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