Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

652 Sprachwisgenschaft auf den höheren Schulen ? 
bedeutet den ersten Verguch ihrer Durchführung; für die neueren Fremd- 
Sprachen wird gie, Soviel ich feststellen kann, zum ersten Male im Jahre 1876 
grundsätzlich und warm verfochten von dem verstorbenen Münchener 
Romanisten Breymann in der Schrift Sprachwisgenschaft und 
neuere Sprachen (München, Th. Ackermann: ursprünglich Vortrag). 
Auch hat es Seitdem nicht an Männern gefehlt, die mit Wort?) und Tatz), 
in der breiten Öffentlichkeit wie im Ministerkabinett dafür eingetreten gind. 
So Sei hingewiegen auf die erfreulichen Anfänge, die vorliegen in den deut- 
Schen Sprachlehren von Matthias, von Sütterlin-Waag, von Prigge- 
Reinhold u. a. m., der lateinischen Satzlehre von Reinhardt, dem 
lateinischen Unterrichtswerk von Hartke-Hölk-Meurer-Niepmann, 
der franzögischen Grammatik von C. Schäfer 80wie in der Bestimmung 
der neuen badischen Lehrpläne für die Realanstalten, die für das Deutsche 
wenigstens auf der Oberstufe historisch-vergleichende Sprachbetrachtung 
fordert. Aber trotz alledem konnte noch in neuester Zeit Paul Cauer 
(a. 8. O., 8. 77) schreiben: „Im einzelnen freilich, an lebendiger Durch- 
dringung des Stoffes mit historischer Betrachtungsweise, scheint es, wenn 
nach den gangbaren Lehrbüchern geurteilt werden darf, noch gehr zu fehlen.“ 
Freilich beziehen gich diese Worte in erster Linie wohl auf die alten Sprachen, 
aber in den neueren liegen die Dinge nicht anders3); eine Schwalbe 
macht noch keinen Sommer, und die Sporadischen Andeutungen, die gich 
in dem einen oder anderen Lehrbuch verschämt und halbversteckt wie die 
Veilchenknospen da und dort hervorwagen, bringen nicht das, was not 
tut, eine grundsätzliche Fundamentierung des Sprachunterrichts mittels 
des biologischen Elementes unter Verwertung der Ergebnisse der Sprach- 
1) Vgl. E. Zeller, Über die Bedeutung der Sprache und des Sprachunterrichts für das 
geistige Leben (Deutsche Rundschau 1884, 8. 359 ff.). -- P. Cauer, Grammatica wmilitans 
(3. Aufl., Berlin, Weidmann, 1912). -- Th. Gomperz, Über den Bildungswert des Sprach- 
unterrichts (Neue freie Pregse, 29. Dez. 1907). -- Wackernagel, Begleitwort zur 1. Aufl. von 
Niedermanns Higstorischer Lautlehre des Lateinigchen (1907; wiederabgedr. in der 2. Aufl. 
Heidelberg, Winter, 1912). -- O. Immigch, Das Recht der Grammatik im altsprachlichen 
Unterricht (Das humanist. Gymnas. 1908; urspr. Vortrag). -- F. Solmgen, Zum altsprach- 
lichen Unterricht (Deutsche Literatur-Zeitung, 15. Aug. 1908). -- R. Meringer, Das Schul- 
elend (N. Fr. Pregge, 12. Jan. 1910). -- P. Kretschmer, Reform des Sprachunterrichts (ebd. 
18. Apr. 1910). -- K. Brugmann, Der Gymnagialunterricht in den beiden klaggischen 
Sprachen und die Sprachwisgenschaft (Straßburg, Trübner, 1910). -- Collischonn, „Soll 
und Haben“ (Zeitschr. f. frz. u. engl. Unterricht XI, 1912, 8. 406 ff. ). 
?) Eine g8olche bedeuten auch die Bücher von M. Niedermann, Historische Lautlehre des 
Lateinischen, 2. Aufl. (Heidelberg, C. Winter, 1911), von U. Lindelöf, Grundzüge der Ge- 
Schichte der engl. Sprache (Leipzig, B. G. Teubner, 1912), von E. H erzog, Histor. Sprach- 
lehre des Neufranzös., I. Teil, Lautlehre (Heidelberg, C. Winter, 1913), die bekannten „Richt- 
linien“ von Meurer und N lepmann (Bonn, Gymnagialprogr.) und, last not least, der von 
Prof. Dr. O. Hoffmann (Münster) im letzten W. S. verangtaltete Fortbildungskursus für 
Altphilologen. 
3) Wie die soeben von B. G. Teubner angekündigten Grammatiken von H. und F. Stroh- 
meyer-Pleggis, bzw. Becker-Sievers-Rühl es halten werden, bleibt abzuwarten.
	        

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