Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
Gymnagium und Oberrealschule. 697 
 
Ich fasse zusammen: Die wichtigsten Knotenpunkte der gesamten 
Entwicklung ungeres Volkes nacherlebend zu erfasgen und in das eigene 
Leben aufzunehmen; der großen Richtungen sich bewußt zu werden, 
welche im deutschen Leben wirksam geworden sind und in die Zukunft 
weiterführen; anzuleiten, wie man die großen Schätze der Vergangen- 
heit in der Form, die ihnen unsere Denker und Dichter gegeben haben, 
umgetzt in eine ins Leben hineinwirkende Weltanschauung: das ist 
die große Aufgabe des deutschen Unterrichts. Er übernimmt. 
die Führung an der Oberrealschule. 
Ergänzend tritt dazu die Geschichte, die in ausgewählten Bildern 
die großen Momente mit durchleben läßt, in denen die Gegschicke des 
deutschen Volkes innerhalb der Weltereignisse eich gestaltet haben. Ins 
Bewußtsein gilt es zu heben, welchen Gang die geistige und politische 
Entwicklung im allgemeinen durchlaufen und welchen Anteil daran das 
deutsche Volk genommen hat -- von den dunklen Anfängen geiner Vor- 
geschichte an bis zur Gegenwart, auf welch mühgamen Kämpfen vor- 
nehmlich geit der Reformation, auf welchen aus Freiheit und Notwendig- 
keit bestimmten Entwicklungen die Welt der Gegenwart und zugleich die 
zußere Gegstalt, wie die innere Kraft des deutschen Lebens beruht. vo 
wird der Gegchichtsunterricht im Zusammenhang mit dem Unterricht 
in den Sprachen und der Erdkunde einführen in das Verständnis der 
Gegenwart und der vielfachen Abhängigkeit, in der wir als Menschen 
und Deutgsche stehen. 
Bei aller bescheidenen Ehrfurcht vor dem Erbe der Vorwelt, bei aller 
Anerkennung für die Leistungen des Auslandes gilt es, die jungen 
Leute mit einem starken und freudigen Glauben an die Kraft 
des eigenen Volkes zu erfüllen, sie zu erfüllen mit dem tiefen 
Bewußtsein, daß deutsche Bildung stets verbunden ist mit 
einem weltoffenen Sinn, mit einer weitherzigen Anerken- 
nung des Guten und Tüchtigen, wo es gich findet, mit der 
unbedingten Verpflichtung zu edler Mensgchlichkeit. 
So werden die Realanstalten ihre Aufgabe würdig erfüllen, junge 
Deutsche mit dem vollen Bewußtsein ihrer Aufgaben gegenüber Volk 
und Mengehheit zu erziehen. Dann werden die Jünglinge die geistige 
und leibliche Kraft haben, wie das Gegschlecht von 1813 mit Freuden 
zu tun, was das Vaterland von ihnen erwartet. In diesem Bemühen 
werden gie Sich mit rubigem Selbstbewußtsein neben die Schüler der 
Gymnagien stellen und in ehrlichem Wetteifer mit ihnen an den großen 
Aufgaben des deutschen Volkes arbeiten. | 
Meine Herren! Ich glaube, die Entwicklung ist reif dazu, daß die Be- 
Sonnenheit in beiden Lagern die Führung übernimmt und zu einem 
dauernden Frieden führt, zu einem Verhältnis, für das wir in Goethes
	        

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