Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
736 Literaturberichte. 
 
Ey, Adolf, Bekenntnisse eines alten Schulmeisters. Berlin 1914, A. Hofmann 
& Comp. 211 S. Zu Orig.-Bd. geb. 3,50 Mk. 
Ich weiß nicht, warum ich 80 gern nach Büchern greife, die alte Erinnerungen fegt- 
halten und von den Freuden und Leiden der Kinder- und Jugendjahre erzählen. Ist es 
ein Zeichen des Alterns, wenn man gich 80 gern in Solche Erinnerungen, eigene und fremde, 
vergenkt, oder ist's ein Zeichen und ein Mittel innerlichen Jungbleibens ?j Nun, mag ich 
einer Jung oder alt fühlen, diegses prächtige Büchlein des ewig jungen Großvaters Ey gollte 
gich keiner entgehen lasSen, kein alter und begonders kein junger Schulmeister; jeder kann 
Sich ein Beispiel daran nehmen. Wer hat doch heute eine Ahnung, wie karg und hart vor 
70 Jahren das Leben in den bürgerlichen Kreisen alt und jung anpackte, als die Ver- 
päppelungstanten noch nicht da waren, die heute der Jugend alles ohne Anstrengung 
aufs Butterbrot streichen wollen. Da konnte wahrlich nur eisernes Pflichtgefühl oder ein 
„Sonniger Humor, wie er den jungen und alten Ey durchs Leben begleitet hat, über die Un- 
zulänglichkeiten des Daseins weghelfen. Welche Originale ziehen hier an uns vorüber, 
von dem immer gingenden Vater oder der Mutter, die in ihrer Bretterbude mit der 
„Stricket“ die Maurer beim Hausbau in Clausthal überwacht, von den alten Lehrern bis 
zu den Direktoren und Kollegen, die Ey an den verschiedenen Schulen traf! Schade, daß 
das Büchlein 8chon mit dem Jahr 1874 abbricht; wir dürfen wohl hoffen, bald auch noch 
die Fortsetzung zu hören, und wünschen dem Erzähler fürs neue Jahr gute Stunden, 
Sein Werk zu vollenden. 
Heidelberg. Julius Ruska. 
yv. Sell, Sophie Charlotte, Fürst Bismareks Frau. Ein Lebensbild. Berlin 1914, 
Trowitzsch & Sohn. 252 Seiten mit 14 Einschaltbildern. geb. 6 Mk. 
Das Buch gilt einer Frau, die jedem ehrwürdig ist, der aus „Fürst Bismarcks Briefen 
an Seine Braut und Gattin“ weiß, was dem trotzigen Recken, der gich in Kämpfen für das 
Vaterland verzehrte, der stille Friede des Hauses bedeutete, für den in wunderbar glück- 
licher Fügung die Lebensgefährtin zu Sorgen verstand, bis zie ihre müden Augen gchloß. 
Das Bild dieger Frau hier von der Hand einer Frau gezeichnet zu Sehen, der aus eigenem 
Erleben mancher intime Zug bekannt, durch die Anteilnahme lebender und verstorbener 
Mitglieder und Freunde des Hauges Bismarck ein reicher Schatz an Briefen erschlossen 
wurde, übt einen begonderen Reiz auf den Leger aus; noch größer wird der Genuß, wenn 
man zugleich aus den Briefen Bismarcks die Ergänzung findet zu den Bruchstücken aus 
den Briefen der Braut und Frau. So zieht die eng gebundene altlutherische Frömmigkeit 
"des Puttkamerschen Hauses lebendig an uns vorüber, das Bangen um des Bräutigams 
veelenheil, das Hineinwachgen Bismarcks in die politischen Kämpfe und sein Aufstieg 
bis zum jähen Sturz, endlich die Tage von Friedrichsruh, in denen der alte Löwe die Ein- 
:Samkeit des Landedelmanns, die das Paar in jungen Jahren gich oft gewünscht, nun doch 
nicht mehr genießen konnte, weil die Gedanken nicht auf Kommando still standen, die 
-dem Schöpfer der deutschen Einheit die Seele bewegten. 
Das Buch ergscheint vor Weihnachten, und 80 8ei es Gatten und Vätern für Frau oder 
Töchter als innige deutsche Gabe aufrichtig empfohlen. | 
Heidelberg. Julius Rugka,. 
Schmidt, Max C. P., Mansfelder Skizzen. Dichtung und Wahrheit aus der alten 
Grafschaft. Mit 12 Abbildungen. Leipzig 1913, Verlag der Dürr'schen Buchhandlung. 
318 S. geb. 6 Mk. 
Auch dieges Buch ist ein Buch der Erinnerung. Aber welcher heiße Schmerz über ein 
verlorenes Kind, eine junge, lebensfrohe, von den Ihren vergötterte, den Eltern, dem 
Gatten, den Kindern entrisgene Mutter zuckt in den Widmungsworten auf! Wer das Bild 
'der glückstrahlenden Frau und Mutter betrachtet, das dem Buche vorangeht, der lernt 
-das begreifen. Einer Schwer Leidenden, zum fünften Male Mutter gewordenen, die mit
	        

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