Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
 
Literaturberichte. 739 
Bd. XII. Beutel, Oberreallehrer E., Die Quadratur des Kreises. Mit 15 Figuren 
im Text. 75 S. 
Nachdem in Bd. 54 des P. A. in ausführlicher Anzeige auf dieses neue Unternehmen 
hingewiegen worden ist, genügt es, auf die inzwischen erschienenen neuen Bändchen mit 
einigen Worten aufmerkgam zu machen. 
Die Wahrgcheinlichkeitsrechnung, die in ungern Aufgabengsammlungen meist über das 
Ziehen von Kugeln und Karten nicht herauskommt, ist in dem Büchlein von Meißner auch 
in ihren zahlreichen Anwendungen, insbegondere auf Ausgleichungsrechnung und Kollektiv- 
maßlehre dargestellt und muß so Jeden reiferen Schüler fesgeln, nicht am wenigsten auch 
durch die Fülle von neuen Begriffen, die ihm hier entgegentreten. Daß S8. 15 Hebbel statt 
Hebel zum Verfasger des „Schatzkästleins“ gemacht wird, ist wohl nur ein Druckfehler. 
Das Wieleitner'sche Bändchen, das das Rechnen mit allgemeinen Zahlen behandelt, 
iSt ein Seitenstück zu dem über die Entwicklung des Zahlbegriffs von demselben Verfagsser 
veröffentlichten Werkchen. Auch hier aind die zuverlägsigen geschichtlichen Notizen dankens- 
wert. Vielleicht entschließt zich der auf diesgem Gebiet 80 hervorragend bewanderte Verfasger 
auch einmal, die Gegchichte der trigonometrischen und logarithmischen Tafeln im Zusammen- 
hang darzustellen. 
Die Witting'sche Einführung in die Infinitegimalrechnung empfiehlt sich durch ihre 
Kürze und Angchaulichkeit. Von graphischen Methoden ausgehend werden die Differential- 
quotienten der rationalen und irrationalen, goniometrischen und zyklometrischen Funktionen 
abgeleitet; Logarithmus und Exponentialfunktion gsollen einem begonderen Bändchen vor- 
behalten bleiben. Vermieden gind die Differentiale; das Integral ist als Grenzwert einer 
Summe eingeführt. Eine etwas reichlichere Beigabe von Beispielen wäre wohl für künftige 
Auflagen ins Auge zu fasgen. 
Das von P. Zühlke beigesteuerte, etwas mager ausgefallene Bändchen behandelt eine 
Reihe von Aufgaben und Konstruktionen, die gich leicht dem geometrischen Unterricht 
angliedern lasgen. Es ist dankbar zu begrüßen, weil es die Aufmerksamkeit auf die Über- 
windung von Schwierigkeiten lenkt, die beim Entwerfen von Zeichnungen in der projektiven 
und darstellenden Geometrie oft genug begegnen. 
Ein begonders großes Interesse knüpft zich an das Problem, das E. Beutel zum Gegenstand 
geiner Darstellung gemacht hat; es ist bekannt, daß sich in der Gegchichte dieses Einzel- 
problems geradezu die Gegcehichte der Mathematik gspiegelt. Wenn man in OII zum ersten 
Mal die Aufmerkgamkeit auf die Entwicklung des Problems lenkt, 80 bietet das Bändchen 
auch für UI und OI noch einmal Gelegenheit, darauf zurückzukommen. Die Verwechslung 
von Omajjaden und Abbagiden S. 23 und die unmögliche Silbentrennung Alch-warizmi 
wird wohl bei einer zweiten Auflage begeitigt. 
Heidelberg. Julius Ruska. 
Lietzmann, W., und Witting, A., Mathematisebe Bibliothek. Teipzig und Berlin, 
Verlag von B. G. Teubner. Bd. X. Wo Steekt der Fehler? Trugschlüsse und 
Schülerfehler, gesammelt von Dr. W. Lietzmann und V. Trier. 57 S. kart. 0,80 Mk. 
Ein interesgantes Büchlein, das dadurch zum Nachdenken reizen möchte, daß es den 
Schüler „auf das Eis“ führt. Die Aufgaben gind daher absichtlich durchgängig falsch 
dargestellt; es bleibt dem Leger überlaggen, den Febler, der teilweise in dem logischen 
Aufbau und teilweise in der ginnlichen Darstellung zu suchen ist, aufzufinden. 
Wenn der Titel „Scherz und Ernst in der Mathematik“ in der Literatur nicht 8chon 
vergeben wäre, 80 würde er dieges humorvolle Bändchen der immer mehr beliebt werdenden 
Mathematischen Bibliothek am besten kennzeichnen. Denn gar oft werden bei der Lektüre 
die Lachmugkeln in Bewegung gesetzt, wenn durch ernstes Denken des Rätgels tiefer Sinn 
entziffert ist. Nicht nur der Lehrer wird aus diesem Büchlein gehr vieles lernen , was er 
methodisch und didaktisch verwerten kann, auch der Schüler wird manche Nuß zu knacken 
47*
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.