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enges, kleinliches Herz, das zu keiner rechten, freien Thätig-
Leit gelangt.
Bändiget in Zeiten das heftige Gemüth in euc< , damit
es euer Herz nicht überhole und fortreiße in unbändigem Zorn
und leidenſchaftliher Hie zu Worten und Handlungen, die
Felbſt die bitterſte Reue nicht zurü> bringen und wieder gut
maden kann. Die Heftigkeit macht uns unfähig , auf Herz und
Gemüth unſerer Mitmenſchen zu wirken, ſtößt ſie von uns,
und macht ſie hart und eigenſinnig , wie uns ſelbſt. „Selig ſind
die Sanftmüthigen, denn ſie werden das Erdreich beſißen,“
ſie herrſchen dur&< Eintracht und Liebe in den Gemüthern ihz2
rer Brüder5 wo aber Hibe und Eiginſinn walten, da gehen
die Hände aus einander , mit ihnen die Herzen, und die Zwie-
tra<t ſchwingt ihre Unheil bringende Geiſel über den Häup-
tern der Menſchen. Da gewinnt das Mißtrauen Plaß, das
lieb: und ſ<honungslos um den Mitbruder herumſc<hleicht , auch
den kleinſten Fehler ho< anrehnet, und in dem unſchuldigſten
Worte eine Beleidigung findet. Haltet jeden Meniſc<en ſo lange
für gut, bis euc<g die entſ<eidendſten Beweije ein anderes Ur-
theil aufdringen, und gebt nicht der kalt bereGnenden, miß-
trauenden Klugheit Raum, die Keinem traut, er kabe ſich
denn zuerſt als Freund erwieſen. Solche Klugheit erkältet das
Herz , und tödtet die rechte Liebe, die allein darin herr-
ſchen ſoll. Nur von dieſer Herrſchaft reißt euch nicht los,
nur von ihr wollet nicht frei ſeyn, ſondern beuget ihrem
Scepter willig eure Herzen« „Die Liebe iſt langmüthig und
freundlich „“ ſte herrſchet ſanft und Keiner hat es bereuet, ihr
gefolget zu haben , wenn nicht blinder Leichtſinn und Un
beſonnenheit ihre Gefährten waren. Darum wahret eure
Herzen auch vor dieſen Uebeln 3 gebt eu<&4 nicht Jedem blind.
lings hin, der euc<€) mit ſüßen Worten entgegen kommt , daß
ihr nicht in die Hände der Verführung fallet, Höret auf
das warnende Wort eurer Eltern und erfahrener Freunde , und
lernet an ihrer Hand die Geiſter prüfen, und den verborgenen
Böſewicht entlarven z die verſchlagene Liſt ſcheitere an der Feſtig:
keit, mit der ihr der Sittlichkeit , Tugend und Frömmigkeit
anhanget. |
Darum behütet euer Herz mit allem Fleiße , ſorgt auc<h da-
für, daß es ſtark und kräftig werde im Glauben, in
der Liebe und in der Hoffnung. Stark und unverzagt im
Glauben muß das Herz ſeyn , daß der Menſc< nicht verzage,
wenn ſeine. Kräfte gering ſind , und nict ausreicßen wollen,
um den Trieb der Liebe zu ſeinen Brüdern ganz zu befriedigen,
Wenn der Verzagte , der an Vertrauen Arme die Hände ſin-
ven läßt, ſo ſpricht dagegen der im Glauben Starke : „Iſt
nicht Gottes Kraft aum; in dem Schwachen mädtig , und kann
er niet aus Wenigem viel machen? Er wird den guten Willen
ſeonen /' und „was oft kein Verſtand der Verſtändigen ſiehtz
in Einfalt vollbringt es ein kindlich Gemüth." Aber feft in ſich,
ſeiner Ueberzeugung , ſeines Slaubens gewiß muß der Menſch
ſeyn , der Menſ<enwohl berathen und fördern will. Wer nie
re<&t ernſtlich über das nachgedacht hat, was er will, ſondern
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jedem Winde folgt, ſich bald zu dieſer, bald zu jener Meynung
hinziehen läßt, der verdient kein Vertrauen, floßt aucy keines
ein, und, wo dieß fehlt, da kann auc<h der Klügſte nichts aus-
richten. Wer aber die Zuverſiht , den gewiſſen Geiſt im Her-
zen trägt, der ſpricht und handelt auc<g mit Zuverſicht , und
es gelingt ihm mit Freund und Feind. Wie widrig auh die
Umſtände ſind, wie taub die Menſ<en für das Gute , wie
bart und verſtoXet die Herzen oft ſcheinen z dennoch findet ein
mit Zuverſicht , mit kindlihem Vertrauen auf Gottes Beiſtand
ausgeſprochenes Wort nicht ſelten eine gute Statt, und wet
die Luſt zum Guten in dem kranken Gemüthe, die Reue und
den feſten Entſchluß zur Beſſerung in der verwirrten Seele,
Und wenn auH die Wirkung eurer Ermahnungen , Belehrunz-
gen, Ermunterungen , eurer leiblihen und geiſtigen Hülfe nicht
glei) ſichtbar werden, wenn ihr hier kalt, dort bitter zurück
gewieſen werdet, =- nur unverzagt! Der oft fallende Tropfen
höhlt do< den Stein, und was heute nic<t wird, kann
morgen werdenz das ſtarke Herz hält aus , unverdroſſene
Arbeit überwindet Alles , und führt zum Ziel.
Vor Allem aber ſorgt dafür , daß euer Herz ſtark und feſt
werde in der Liebe , damit es ausſ<eide , was dieſem edeln
Triebe nicht angehört, damit es ſich ni<t, von den Sinnen
verlo&t, an das Aeußere, an die ſ<gone Geſtalt, an den
gewandten Körper , an Wiß und Scarfſinn hänge , ſondern
gerade auf Herz und Gemüth gerichtet ſey 3 daß es nicht nur
den reich begabten, nicht nur den tüchtigen, edeln Menſchen,
niht nur den Freund mit ſeiner Liebe umfaſſe , „denn ſo ihr
eum nur zu euern Freunden freundlic) thut, was thut ihr
Sonderliches , die Sünder thun auß alſo,“ == ſondern daß
euer Herz auc< die größere Kunſt der Feindesliebe erlerne,
dieſe8 weſentliche Merkmahl des Chriſten. Auc<h der Unbehol-
fene, der Geiſtesarme, der Geſunkene , auc) der Beleidiger
hat Anſprüche an dieß Herz , um ſo mehr, je verlaſſener ſolche
Menſchen ſind , je mehr der Gleichgültigkeit, dem Spott, der
Verführung und Verachtung preis gegeben.
Und endlich: ſeyd ſtark in der Hoffnung! Sie ruhet auf
dem Glauben , daß unſer Gott uns nie verläßt, und, wenn er
auc<ß zögert mit ſeiner Hülfe, am Ende do< Alles herrlich
hinaus führt. Werdet nicht irre an der Menſ<heit, wähnt
nicht , daß ſie fort und fort ihrem Verberben entgegen gehe,
das iſt ein düſterer, Gott läſternder Gedanke. Wie auch da
und dort Völker finken und untergehen in ſittlichem Verderben,
immer finden ſi<ß unter ihnen der Redlihen genug, die, das
Salz der Erde, ſic) aufrecht erhalten, und die Würde des -
Menſchen und Chriſten behauptenz und es heben ſim auch wie-
der ganze Völker , treten mit friſcher Kraft hervor und zeigen
den Muth, den ſittlihe Veredelung und Bildung und ein le-
bendiges Gottvertrauen gewähren. So ſchreitet das Menſc<en-
geſ<hleht im Ganzen genommen immer aufwärts , das lehrt
die Geſchichte , dahin verweiſet uns das Wort des Heilandes :
es wird ein Hirt und eine Heerde werden,“ Au< an eu-
ern Zeitgenoſſen verzweifelt nicht, ſie ſind nicht ſchlimmer