Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

II. Berichte. 
 
Zur Kritik pädagogiſcher Zeitſchriften. 
Aus der „neuen Zeit“ Nro. 69 (Stuttg., d. 15. Dec. 4849.) 
„Ein Stü> vemokratiſher Schulbildung. -- Unſere Zeit 
iſt leivex ſo politiſch geworden, daß das müde Auge dald weder im Leben 
no< in den Büchern mehr ein glüFliches grünes Pläßchen findet, vas nicht 
mit der grauen Aſche der Politik überzogen wäre. Die Radikalen verpflan- 
zen natürlich ihre alleinvolksbeglükende Weisheit auch auf das Gebiet der 
Wiſſenſchaft. Die pädagogiſche Vierteljahrsſchrift von Schnißer dient 
neuerer Zeit vorzugsweiſe zum Abzugskanal für ſolche Herzenserleichterungen. 
Im 2ten Heft des 5. Jahrgangs förvert der bekannte Stuttgarter Real- 
lehrer 3. G. Fiſcher zwar nicht eben viel pädagogiſche Weisheit, aber 
deſto mehr hochtönende Redensarten, „über die politiſche Bedeutung der 
Schule“ zu Tage. „Wir ſind, ſagt er, mit unſern politiſchen Beſtrebungen 
unſicher daran , ſo lange die Freiheit und Wohlfahrt des Vaterlandes nicht 
durch ein politiſch gehobenes Volk gewährleiſtet iſt, ſo lange wir Gefahr 
laufen, daß die Maſſe ihren eigenen UnterdrüFern die Hand bietet gegen 
die, die ihre Befreier ſein wollten“ =- d. h. wir Radikalen find des Siegs 
noch nicht gewiß, ſo lange der Kern des Volks no< unverdorben iſt, ſo lange 
es noch zu der rechtmäßigen Obrigkeit ſteht und nicht Jevem die Hand bie- 
tet, der die Maske des Volksfreunds und Befreiers vorhält. Hr. F. fährt 
fort: „Das Volk muß ſeine Wohlfahrt in ſeiner Ehre ſuchet, die es nicht 
dulden darf, daß das Volksgeſchi> von oben oder von außen her dbe- 
ſtimmt werde“ -- auf deutſch : es iſt eine Schanve für das Volk, wenn die. 
Regierenden bei Verfaſungsangelegenheiten auch mitzuſprechen haben , --- 
als ob die Regierenden nicht auch Einſicht und guten Willen haben könnten, 
ſondern die von den Radikalen dem Land gewaltthätig aufgedrungenen ſo» 
genannten „Volksfreundve“ Verſtand und Patriotismus allein gepachtet hätten. 
„Und weil der veutſchen Nation ein ſolches Gefühl von ſelbſt nicht ange- 
boven iſt, ſo muß ihr daſſelbe durch die Schule anerzogen werden“ -- 
d. h. der radikale Wahnſinn iſt dem Volke freilich nicht natürlic<, aber die 
radikalen Lehrer ſollen und wollen ihr Möglichſtes thun , ihm denſelben ein- 
zuimpfoen. Hr. F. klagt weiter über Vernachläßigung der deutſchen Ge-
	        

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