Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

102 III, Berichte. 
ſc<ichte in ven Schulen und ſagt, die württembergiſchen Volksſchulen geben 
ein „kraſſes Bild“, ex wolle aber vem Stand der Volksſchullehrer nicht zu 
nahe treten (natürlich, weil ihn die Radikalen bei Landſtandswahlen u. dgl. 
gut brauchen können), da er aus eigener Erfahrung wiſſe, wie wenig der- 
ſelbe gegen die Hemmniſſe der beſtehenden Einrichtungen und Verhältniſſe, 
die ohne ſein Zuthun da ſeien, vermöge , oder unverblümt: die Volksſchul- 
lehrer bätten längſt ihre Schüler weit mehr lernen laſſen und ein ganz an- 
deres Volk herangezogen, wenn fie nur gedurft hätten, wenn die Geſeße, 
vas Conſiftorium , die Pfarrer es ihnen nicht unmöglich gemaiht hätten. Ob 
wohl das gute Volk dem Hrn. Fiſcher glauben wird, was er ihm aufbinden 
will ? Gegen das Ende ſagt er dann: „Iſt es nicht ſchmerzlich , wie rathlos 
und leicht verführbar ſich das Volk bei den Wahlen ſeiner Abgeordneten 
anſtellt 2 Und das Alles nur darum, weil ihm die Liebe zum Vaterlande 
und die Achtung vor ſeinem Volke nicht vurc<h Belehrung darüber anerzogen 
werden 20.“ In jene Klage müſſen wir leider im Hinbli> auf die lekten 
Wahlen einſtimmen, nur nicht in dem Sinne Hrn. Fiſchers; wir glauben 
aber, daß Hr. F. von der Macht der Belehrung eine ſehr übertriebene Vor- 
ſtellung hat, wenn er meint, man könne durch ſie allein vem Volk „Liebe 
zum Vaterlande anerziehen“. 
„Weit derber tritt nun aber in dem 3. Heft Profeſſor Roßmäßler, 
geweſenes Mitglied des Rumpfparlaments, auf. Unter der Aufſchrift : 
„Praktiſcher Beitrag zum naturwiſſenſc<aftlichen Volksunterricht“ 
gibt er uns als Probe aus einem noch ungedruten Volksbuch eine erdich- 
tete Erzählung von einem deutſchen Fürſten , der zu einem widrigen Zerr- 
bild von Hochmuth und Dummheit ausgemalt wird und einem für das 
Wohl des Volkes glühenden, natürlich höchſt edlen und weiſen Patrioten 
gegenüber eine erbärmliche Rolle ſpielt, Beſagter Patriot hat, wie fich von 
ſelbſt verſtebt, immer die reinſten Geſinnungen und die glücklichſten Einfälle 
und beſchämt den Fürſten und ſeine Umgebung aufs Kläglichſte. Hr. Roß-- 
mäßler wäre ein Thor geweſen, wenn er ſeinem Freund, dem Patrioten, 
nicht lauter Weisheit, und ſeinem Gegner, dem Fürſten , nicht lauter Albern- 
beit in ven Mund gelegt hätte, da ihn ja Beides nichts koftete. Sodann 
tritt ein vortrefflicher , höchſt verdienſtvoller Schulmeiſter auf, deßgleichen 
ein junger Geiſtlicher von zweideutigem Charakter; Hr. Roßmäßler braucht 
dieſelben Kunſtgriffe in Bezug auf beide Stände , wie Hr. Fiſcher , nur thut 
ers mit ungleich mehr Geſchik; es gilt eben, den Lehrern zu ſchmeicheln 
und die Geiſtlihen zu verdächtigen, damit jene ſich zu Werkzeugen der Um- 
fturzmänner bergeben und dieſe um das Vertrauen des Volkes gebracht 
werden. Da beißt es denn: „der bigotte Prieſter zeigt dem Menſchen ſein 
Fraßenbild, wenn er ihn auf die Kniee nieverdrüct und ihn ſcheu gen Himmel 
blien und an die Bruſt ſchlagen läßt mit ven Worten : ich armer, elender, 
ſündhafter Menſch.“ Hr. R. wird wohl vergeſſen haben , daß das Gleich- 
niß im Evang. Luc. C,. 18. von dem Zöllner, der von ferne ſtund und ſeine 
Augen nicht aufheben wollte, ſondern an ſeine Bruſt ſchlug und ſprach: 
Gott, ſet mix Sünder gnädig, von unſerem Herrn ſelbſt herrührt,
	        

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