Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

130 1, Abhandlungen. 
turwiſſenſchaft fließt vor Jedermanns Augen ſeit der denkwürdigen 
Zeit, wo die Titanin zum erſtenmal mit Nac<hdru> ihr „keßeri- 
ſches“ Haupt erhob , wo Dominikaner über den Text predigten: 
„quid statis viri GalilJaei adspicientes in coelum?“ wo Jeſuiten 
ihre Heere copernikaniſcher und anticopernikaniſcher Gründe gegen 
einander ausrüken ließen, um jene dur< dieſe ſchlagen zu laſſen. 
Denn es iſt in der That zulezt immer no< derſelbe Grund wie 
damals, aus welchem Leute wie mein Ungenannter Ketzerei in 
der Naturwiſſenſchaft riehen und die Verbreitung ihrer Wahr- 
beiten für gefährli< era<ten, Freilih der Satz von der Be- 
wegung der Erde gilt ni<t mehr als religions-gefährlic<h , noc< 
vielleiht irgend ein einzelner Satz der Aſtronomie oder eines 
anderen Zweigs der Naturkunde, aber ihr Inbegriff muß jett 
um ſo gefährli<her ſein, wenigſtens für die Jugend und für 
Laien. Und warum? Weil ein äußerer materieller Himmel, 
eine ſinnliche Hölle niht mehr mit den vereinten Aufſchlüſſen der 
Aſtronomie und Geologie beſtehen kann, Und doh iſt lange, 
bevor ein Kopernifus, Galiläi, Kepler die Reihe jener neuwelt- 
lihen Himmelsſtürmer eröffneten, derjenige erſchienen, welcher 
die Menſchen gelehrt hat, den Himmel ganz anderswo zu ſuchen, 
als über ven Wolken, und die Hölle ganz anderswo zu bekämpfen, 
als unter den Gräbern. Weil man ferner in einem Geſammt- 
naturbild die Kette der phyſiſchen Urſachen möglichſt weit zu ver- 
folgen ſtrebt, ohne auf den geiſtigen Urgrund des Weltalls zu- 
rüdzugehen. Und do< kommt es ſo der Naturwiſſenſchaft als 
ſolcher zu, denn wenn ſie z. B. von Atomen, von Grundkräften 
ſpricht, ſo ſind dieſes phyſiſche Lebte, über welche ſie auf phy- 
fiſh<em Wege nicht hinausſtreben kann, und ſie hat nicht nöthig; 
auf ein anderes Gebiet überzuſchreiten , welches ſie damit keines- 
wegs läugnet, daß ſie von dem ſc<weigt, was nicht ihre Sache 
iſt. Hätte ihrerſeits die Theologie ſich nicht angemaßt, phyſiſche 
Dinge , wie die Ruhe der Erde, zu Glaubensſägzen zu ſtempeln, 
ſo hätte ſie ſich erſpart, von der Naturwiſſenſchaft Lügen geſtraft 
zu werden, Weil man endlich nic<t umhin kann, von der Un- 
endlichkeit (Unbegränztheit) des Raumes und der Materie (Raum- 
erfüllung), auszugehen, wie es in der Natur der Sache liegt, aber 
guc< die Ehre Gottes verlangt, Es liegt in dex Natur der
	        

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