Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Der Kosmos vor einem Keßergericht. 131 
Sache , denn eine Gränze des Raumes könnte ja dieſen nur von 
etwas anderem außer und neben ihm abſondern , was aber außer 
und neben einander iſt, das iſt eben Raum und wieder Raum ; 
leeren und erfüllten Raum aber neben einander zu denken und 
Gränzen zwiſchen dem Leeren und der Materie iſt abermals nicht 
möglich. Aber auch die Ehre Gottes verlangt es, denn die gött- 
lihe Allmacht kann ſich nur in einer unendlihen Natur (Welt) 
offenbaren , ſonſt iſt ſie keine Allmacht, ſonſt wird Gott ſelbſt zu 
einem endlimen Weſen gemacht; die göttliche Weisheit aber hat 
jeglihem Daſein im unendlihen All ſein Maß und Ziel geſeßt. 
Do< greifen wir uns nicht vorz denn ich verſtehe nicht nur 
gründlich was der Gegner will, ſondern ich bin ſelbſt geſonnen, 
ihm zur „möglichſten Verbreitung ſeiner Bemerkungen über den 
Kosmos“ behilflih zu ſein, indem ich ſie geradezu abdruen 
laſſe und mit meinen Bemerkungen begleite, überzeugt, daß faſt 
ſchon die bloße Anſicht des Aktenſtüks für den Einſichtigen hin- 
reicht, um über ſeinen Urſprung ins Klare zu kommen, ſowie 
daß es als Angriff auf das gefeierteſte Werk der neueſten Zeit 
jedem Leſer der Zeitſchrift auch im Einzelnen intereſſant ſein 
dürfte. I< laſſe daher den Ungenannten (übrigens mit meiner 
Orthographie) fortlaufend ſprechen, und füge das Meinige noten- 
weiſe unter dem Text bei. 
Man wird fragen, beginnt er , was iſt no< über ein Buch, 
das Humboldt geſchrieben hat, zu ſagen, über ein Buch, das 
bereits vermöge ſeiner Vortrefflichkeit einen Bearbeiter fand, der 
es für tauglich hielt in einer faßlichen Sprac<e zum Unterricht 
„für Schulen und Laien“ verwendet zu werden, das alſo des 
Lobes nicht bedarf und über den Tadel erhaben iſt? Wahrlich 
der mit Necht gefeierte Name des Verfaſſers dürfte ebenſo wohl 
als der mannigfaltige Inhalt ſeines großartigen Weltgemähldes 
und der blühende Styl, womit er. ihm einen unwiderſtehlichen 
Reiz es zu leſen verlieh, jeden Kritiker abhalten, ein Wort des 
Tadels darüber zu verlieren. Do< was wagt man nicht in 
unſerer Zeit? Iſt jeder Spott über die no< vor wenigen De- 
cennien , öffentlich wenigſtens , nicht *) angefochtene heilige Scrift 
.-. mmm wenne zem 
 
*) Haben vie Deiſten , ver Wolfenbüttler-Fragmentiſt und Andere die 
410 *
	        

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