Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

132 | 1. Abhandlungen. 
erlaubt: warum ſollten es nicht einige tadelnde Bemerkungen 
über ein berühmtes Werk ſein, wenn ſie in der Ueberzeugung 
gema<t wurden, daß der ECindru>, den deſſen Bearbeitung auf 
die Jugend vermöge der darin verborgenen, ſi< immer mehr 
vordrängenden pantheiſtiſhen Anſichten machen muß, ein höchſt 
perderblicher iſt? Aus dieſem Geſichtspunft haben wir nämlich 
dieſe und das Driginal nac< Durc<leſung beider beurtheilt, und 
darum ſei das Wageſtü> begonnen! Waren wir im Irrthum, 
- ſo wird man uns widerlegen, wenn man nicht vorzieht, nach 
der dermaligen Sitte, das vornehm abzuweiſen oder mit Still- 
ſchweigen zu übergehen, was man nicht zu widerlegen vermag. 
Daß uns der Kosmos gefährli< ſchien, iſt nicht Schuld des 
Verfaſſers , wel<er keine Betrachtung der Weisheit des Schöpfers, 
ſondern einer Anſchauung der Natur in ihrem Zuſammenhange, 
unbefümmert um ihren Urgrund, deſſen Vorſtellung aber dieſer 
Anſchauung nicht fehlen durfte *), geben wollte, Es iſt die 
Schuld deſſen, der ſie dem Jünglinge, welcher no< die Schule 
beſucht , genießbar machte, dem Laien, welcher nicht weiß, daß 
einem wiſſenſhaftlihen Buche jezt das Schlimmſte verziehen 
wird, nur nicht das, was an den Glauben an Gott erinnert, 
und der ſich nun durch eine berühmte Autorität, vielleicht ohne 
deren Willen, auf den Standpunkt geſetzt ſieht, Gott läugnen*) 
zu dürfen, und die Natur an deſſen Stelle zu ſeen, Wäre 
dieſer Standpunkt der richtige, wie dankbar müßte der Leſer 
Schrift nicht angefochten, indem fie ihre hiſtoriſche Glaubwürdigkeit in 
Zweifel zogen? 
1) Eine Klauſel , welche die vorhergehende Freiſprechung ſo ziemlich 
wieder aufhebt. Uebrigens iſt dieſer Vorwurf ſchon im Obigen beantwortet. 
2) Wenn man bei gewiſſen Leuten den Namen Gottes nicht immer im 
Munde führt, ſo meinen ſie ſhon, man läugne Gott! Jndem der Natur- 
forſcher ein umfaſſendes Bild von vem Weben und Jneinandergreifen der 
Naturkräfte entfaltet, verkündigt er damit nicht eben die göttliche Allmacht? 
Gleichwie der Geſchichtsforſcher die göttliche Gerechtigkeit predigt, eben da- 
mit, daß er lediglich ſeinen Stoff ſo gründlich als möglich darftellt, ohne 
dabei auf jeder Seite Herr Herr! auszurufen. Wie die Himmel die Ehre 
Gottes verkündigen, ſo ein Buch, welches ſc<hlechtweg ausführt, was die 
wiſſenſchaftliche Forſchung weiter herausgebracht hat , als der bloße Anblik 
ver Natur lehrt.
	        

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