Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

138 1, Abhandlungen. - 
verfürzt, ohtte daß es ein ſol<hes Unding wirklich gibt, weil 
eben jenes ſtets in ſich abgeſchloſſene , darum endloſe « und w 
außer ſeiner ſich ſelbſt geſchaffenen Gränze nie etwas Anderes 
[ſelbſt keine unendliche Leere] anerkennt, wonac< alles in ihm 
iſt, d. h. gedacht wird. Dieſe unbegreifliche , do< denkbare Vor- 
ſtellung 18) entſpricht der unſerem eigenen Denken entnommenen 
Erfahrung und zuglei< der religiöſen Anſicht, zufolge welcher 
Gott die Welt [over Welten ?] dur< ſeinen Willen als einen 
feſtgehaltenen Gedanfen, aus einem ſcheinbaren !*?) Nichts ins 
erſte materielle [ätheriſche] '7) Daſein --- „als Waſſer , auf dem 
der Geiſt Gottes ſchwebte“ --- rief; wornach ſie als ein fixirter 
zeitlicher Reflex 17) ſeiner ewig harmoniſchen Gedankenwelt zwar 
ebenfalls in ihm, aber nicht unmittelbar mit ihm CEins und 
Daſſelbe und nicht ein glei< ihm Vollkommenes iſt. Dieſem 
zufolge ſtellt ſich nun nicht der göttliche Gedanke nac< dem S,. 194 
im zweiten Theil angeführten Ausſpruc< des Ariſtoteles als in 
einem planetariſchen Einzelweſen , dem Menſchen zum Bewußt- 
ſein kommend dar : 18) im Gegentheil reflektiren ſich in dieſem 
16) Unbegreiflich, dvo< denkbar! Da haben wirs; alſo Gott durch- 
dringt ven Raum ins Unendliche hin, begränzt ihn aber gleichwohl mit ſich 
ſelbſt und erkennt außer fich nichts an , folglich gibt es kein Unding von 
unendlichem Raum! Das iſt zuviel des Widerſpruchs auf einmal und wider- 
ſinnig ohne geiſtreich zu ſein. So eben hieß es, Niemand habe je „einen“ 
unendlichen Raum gedacht, und in einem Athem gründet ver Ungenannte 
ſeine Vorſtellung von dem ſich ſelbſt begränzenden Urweſen auf den unend- 
lichen Raum, beſeitigt ihn aber wieder durch Nichtanerkennung , die er dem 
Urweſen ſelbſt zuſchiebt. Nein, nur der Ungenannte oder die Glaubens- 
lehre, die er vertritt, erkennt den unendli<en Raum nicht an, weil er in 
ſeinen Kram nicht taugt , weil er Gott zu einem endlichen Weſen, d. h. zu 
einem Weſen ſeines Gleichen machen will. Streift das nicht an Gottes- 
läſterung ? 
17) So? vas Alles iſt in Geneſis 4 enthalten ?! 
18) Was hier Humboldt wirklich ſagt, iſt, vaß Ariſtoteles nicht nur 
auf die Natur, ſondern auch und vorzugsweiſe auf den Menſchen ſeine Auf- 
merkſamkeit richtete , weil er ihm erſcheinen mußte als „der Mittelpunkt und 
Zwe der geſammten Schöpfung, als komme der Gedanke ves göttlichen 
Denkens hienieden erſt in ihm zum Bewußtſein,“ Dieſen übrigens 
ganz unverfänglichen Ausſpruch des Ariſtoteles färbt ver Ungenannte erſt 
etwas begliſch , behandelt ihn dann als Humboldts eigene Anſicht und reißt
	        

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