Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Der Kosmos vor einem Keßergericht. 139 
Gottes Eigenſchaften, z. B. ſeine ewige Liebe [Gedankenharmonie] 
in der menſchlihen, wel<he die zuſammenſtrebende Bewegung 
als Attraktion in der Natur auf eine andere Art kund gibt. 
Dachte nun nicht Humboldt etwas Aehnliches, als er in 
* einer Note des zweiten Theils S, 507 den religiöſen Myſticis- 
mus des Dante beſprechend, ſagt „&'est comme deux mondes 
dont une est le reflet de l'autre“? 1?) Vergleiht man aber 
mit dieſer ſ<on Clemens Ill. zugeſchriebenen Anſicht die anderen 
angeführten Stellen, z. B. jene, in welcher er erwähntermaßen 
die Natur als ein gränzenlos begränztes, nämlich als „ein ihrem 
Umfang na< Unendliches“ bezeichnet, um zu erkennen , daß 
das für Jedermann Undenkbare, was na< Humboldt aber „in 
ven Sphären ideeller Subjektivität“ liegen ſoll *) , von ihm 
ſelbſt -- das zeigen die zwei zuſammengeſtellten in ihren Be- 
griffen ſich widerſprechenden Worte =- nicht gedacht werden konnte, 
[Dieſer Definition ſteht eine andere von Oken gegebene zur 
Seite, die , vermöge welcher. er den „ſeienden Gott“ [die Natur] 
als „eine unendliche Kugel“ definirt.] Wir wiederholen es, auf 
dergleichen ſtüßt ſich die moderne Gottesläugnung, Berechtigen nun 
nicht dergleichen ſich bald zur religiöſen Vorſtellung bald zum Pan- 
theismus hinneigende Anſichten zu der Frage, welche die eigent- 
lihe Humboldts iſt? 2?) Und nicht gleichfalls zu der; wer 
Recht hat, „das ganzen Stämmen der Wilden innewohnende dunkle 
Gefühl , das ſie zum Cultus treibt,“ oder das ſie irreleitende 
„Rudiment der Naturphiloſophie ihrer Individuen“ ? Denn iſt 
das Ganze aus ſeinem Zuſammenhang , in welchem er gewiß nicht als ein 
Humboldtſches Glaubensbekenntniß erſcheinen kann. . 
19) Schwerlichz indeſſen kann ich vas Citat nicht finden. 
20) Kann man einzelne Stellen gräulicher dur< einander werfen? 
Vgl. Nro. 5 und 6. 
21) Meinetwegen zu der Frage! aber eben deßwegen nicht zur Unter- 
ſchiebung , ſet es ves älteren franzöſiſchen Materialismus , over der neueren 
veutſchen Naturphiloſophie, noch zum Vervammungsurtheil wegen Atheismus! 
Alſo meinetwegen zur Frage 3 dagegen ſind aber auch wir zu der Frage be- 
rechtigt, ob fich der Würzburger Inquiſitor nicht über den pantheiſtiſchen 
Sinn der Säße täuſche? Wenigſtens haben wir ihm grelle Mißverſtändniſſe 
nachgewieſen, doch freilich, was bedarf er weiter Zeugniß ? er hat ja den 
unendlichen Raum! und das Naturgefühl führt die begabteren Individuen 
zu Rudimenten der Naturphiloſophie !
	        

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