Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

140 I. Abhandlungen. 
ſchon der Himmel kein „feſtes Gewölb“, wie man zeitweis meinte, 
ſo iſt ex doh keine gränzenloſe ?2?), ſondern eine in ſich abge- 
ſchloſſene Erſcheinung, zugekehrt dem ewig Einen [Univerſum], 
Wir leſen im Kosmos zwar von einem geiſtigen Auge, das in 
unſeren für das Wiſſen glücklihen Tagen einen „Weltkörper 
[den Leverrier'ſc<hen Planeten Neptun] ſah, ehe no< ein Fern- 
rohr auf ihn gerichtet war, und ſogar deſſen Bahn. beſtimmte, 
Ein ſolc<es geiſtiges Hellſehen kann freilich gleih mancher ange- 
führten Entdeung 3. B. der des Enke'ſchen innerhalb unſeres 
Sonnenſyſtems kreiſenden Kometen, der 1848 erſcheinen ſollte, 
nicht „dunkeln Gefühlen“ entſtammen, Aber die Exiſtenz des 
Planeten wird bereits bezweifelt, und der Komet erſchien nicht! 22) 
Darf man nun wohl mit Humboldt erwarten, „daß man 
die Natur einſt nah der Vernunft auslegen werde ?“' (S, 171) ?*) 
Ueberhaupt, wenn man von Nebelfle>en oder yon Dunkel- und 
Doppel-Sternen liest und dabei ?*) bedenft , wie wenig man vom 
Weltall ſelbſt mit bewaffnetem Auge zu ſehen vermag, ſo ſollte 
?2) Gewiß , er iſt die uns nothwendig kugelförmig erſcheinende Gränze 
unſerer Ausſiht in das Weltall, over ves unendlich kleinen Stü>ks vom 
Weltall, welches wir von unſerer Erde aus überſehen. -- Welchen Sinn 
hat übrigens das „venn“, womit ver Sab beginnt? 
28) Die Exiſtenz des Planeten Neptun iſt noch nie bezweifelt worden, 
denn man kann ihn ja täglich ſehen; es war nur eine Zeitlang die Frage, ob 
micht vielleicht der Zufall einigermaßen bei der Entde>ung des Planeten im 
Spiel geweſen ſei , weil anfangs die Beobachtungen mit den Ergebniſſen der 
Leverrierſchen Rechnung nicht hinreichend übereinzuſtimmen ſchienen; weiter 
fortgeſebte Beobachtungen des Neptun haben aber längſt ven Gedanken ves 
Zufalls wieder beſeitigt. Bei ſolcher Unkenntiniß der Sache erlaubt man 
ſich höhniſche Bemerkungen über ein Ereigniß , welches auf wiſſenſchaftlichem 
Boden zu den größten des Jahrhunderts gehört! Aber noch nicht genug; daß 
ver En>e' ſche Komet im Jahr 4848 nicht erſchienen ſei, iſt baare Lügel! 
24) Falſch angeführt ; Humboldi ſagt: wir erwarten, daß man uns, 
wie einſt Sokrates es forderte, „die Natur nach der Vernunft auslege1“ 
238) Warum ſoll man dies gerade bei ven Nachrichten von neuen Wahr- 
nehmungen und Aufſchlüſſen bedenken ? -- Indeſſen hat noch kein Vernünf- 
tiger gehofft, das ganze Weltall zu erkennen; das Unendliche kann nicht 
Gegenſtand erfahrungsmäßiger Erkenntniß ſein, wir behaupten in unſerem 
ſogenannten Himmel nur ein Stü> Weltall wirkli< zu erkennen. Anonymus 
ficht einmal über vas andere mit Erzeugniſſen ſeiner Einbildung, Auch das 
ſogleich folgende gehört dahin.
	        

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