Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Der Kosmos vor einem Keßergericht. 145 
ſagen, wie im Allgemeinen gegen die Erklärung ſeiner Erſchei- 
nungsarten , gegen die im Beſondern gar manches einzuwenden 
wäre, Allein mit der Definition ſeiner Urkräfte 83) hätte der 
Bearbeiter ſeine jungen Leſer durchaus verſchonen ſollen. Was 
muß dieſer denken, wenn er z. B. S, 12 liest: „Die Schwere 
-- [welche er gleich darauf als Centralfraft kennen lernt] -- 
iſt eine eigentlihe Grundkraft der [unendlihen] Welt“? 32) Frei- 
lich ſollten ihm dabei folgende Fragen einfallen. Gibt es meh- 
rere eigentliche Grundfräfte 33) , oder ſind dieſe nur die wieder- 
holten Bewegungsformen einer einzigen, die, zugleich Weſen, 
fic denkend theilt, wieder zuſammenſtrebt und in ſich zurüe- 
kehrt ? Kann nun dieſe ihre geformte Bewegung oder ein unend»- 
licher formloſer Weltraum ein Centrum haben? Wird aber ein 
Schüler ſolhe Fragen ſtellen, deſſen nächſte die ſein dürfte: 
gibts einen Gott, wenn ihn die Schwere erſetzt? Freilich ſollte 
er no< bedenken , daß die Geſetlichfeit der Welt, welche dieſen 
entbehrlich zu machen ſch eint, jedoch erwähntermaßen Abnormi- 
täten zeigt, ſich ſchlechterdings nur auf Erfahrungen gründet, die 
ſich bisher meiſt bewährten, und daß ſelbſt dieſe dur< den 
Menſchenverſtand mit allerhand Vorausſezungen, z. B, mit der 
eines S. 54 erwähnten „urſprünglichen Seitenanſtoßes', welcher 
die Urſa<e der erfahrungsmäßig elliptiſhen Planetenbahn ſein 
ſoll , in Verbindung gebracht wurden, Denkt der junge Menſch 
nun wohl daran, daß dieſe vielleicht ein Reſultat der göttlichen 
Urbewegung ſein könne? Oder wird ihn ſein Lehrer daran 
erinnern, wenn er ihm den Kosmos für Schulen erflärt ? 
Schwerlich! denn dieſer dünkt ſich ja ſelbſt über Gott erhaben, 
wenn eran die doppelte Unendlichkeit und an die Schwere als 
Grundfkraft glaubt 23). 
 
 
33) Urkräfte habe ich nirgend erwähnt, noc< weniger definirt. Den 
Ausdru> Grundkraft habe ich von der Sc<hwere gebraucht, nämlich in phy- 
fiſchem Sinn , wovon bereits oben die Rede war, in demſelben Sinn, in 
welchem die Chemie ſchlechtweg von Grundſtoffen over Elementen ſpricht. 
Der Kosmos iſt ja kein metaphyſiſches Werkz es iſt alles darin phyſiſch zu 
faſſen 3 hier alſo iſt der Sinn, daß die Schwere zu denjenigen Naturkräften 
gehört , über welche die Naturforſchung nicht hinaus kann, von denen wir 
keine weitere phyſiſc<e Urſache mehr angeben können, veren höhere Urſache 
Pädag« Bierteljahrsſhrift. YI. 44
	        

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