Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

4146 | 1. Abhandlungen. 
Die Vorſtellung, welche ſich von dieſer Herr Reuſc<le, 
allerdings auf Autorität geſtüßt, macht, iſt mit der Vernunft, 
welche zwei ſich widerſprechende Begriffe nicht faſſen kann 8), 
nicht wohl übereinſtimmend: er ſagt „nicht im Mittelpunkte, ſon- 
dern in allen Punkten der Weltkörper ſit die Sc<werkraft , ſie 
ziehen aber alle vereint nam dem Mittelpunkt wegen der eben- 
mäßigen Lage deſſelben gegen die einzelnen Anziehungspunkte.“ 
Demgemäß 8*) iſt der Mittelpunkt kein Schwerpunkt, und da 
die Anziehungsfkraft nur eine gegenſeitige ſein kann, ſo muß die 
ſeine eine vorherrſchende ſein, um ſich nicht in der der andern 
Punkte zu verlieren 38%), Dergleihen Erklärungen befriedigen ſo 
wenig wie die auf ſie ſchnell gegründeten Schlüſſe , wel<he aber 
nebſt den dreiſten Behauptungen unſer Zeitalter <arakteriſiren 
und keinem Werke, das auf Ruf Anſpruch macht , fehlen dürfen, 
daher einige ſol<e verzeihlich ſind. Als ein unrichtiger Schluß 
erſcheint uns z, B. no< der S, 26 ſtehende, weil da von der 
ſofort jeder religiös Gebildete in der göttlichen Allmacht von ſelbſt ſucht. 
Es gibt aber auch Kräfte, die wir wieder aus Anderem phyſiſch herleiten 
können , z. B. die Sc<hwungkraft aus der Trägheit ver Materie, ven Luft- 
dru>, der z. B. bei Pumpen wirkt, aus der irdiſchen Schwere; Licht und 
Wärme ferner verſuchen wir wenigſtens auf eine Aetherbewegung zu- 
rüfzuführen. Die ganze Natur aber mit allen ihren Kräften und Stoffen 
führen wir in leßter Inſtanz auf die göttliche Almacht zurü, was ſich von 
ſelbſt verſteht. -- Wenn der Ungenannte noh beifügt „die er gleich darauf 
als Centralkraft kennen lernt“, und ſofort die Frage entgegenwirft „kann ein 
unendlicher Weltraum ein Centrum haben?“ ſo bemerke ich zu dieſem Neft 
von Mißverſtändniſſen blos, daß Centralkraft jede bewegende Kraft heißt, 
die vas Bewegte ſtets nach einem und demſelben Punkt hinzieht (3. B. bei 
der Bewegung des Monds um die Erde wirkt die anziehende Kraft der 
Erde, bei derjenigen der Erve um die Sonne die anziehende Kraft der 
Sonne als Centralkraft) und füge bei, daß nirgends von einem Mittelpunkt 
der Welt die Rede iſt, eben weil dieſelbe unendlich iſt. 
341) Eben deßwegen ift er Schwerpunkt! Weiß denn der Ungenannte, 
der ſich anmaßt , über ſolche Dinge zu ſchreiben, nichts vom Parallelogramm 
der Kräfte, kennt er nicht das ABC der Mechanik ſoweit, um einzuſehen, 
daß aus einer Menge einzelner Anziehungen , welche auf einen Punkt nach 
verſchiedenen Richtungen wirken , eine einzige Geſammtanziehung in beſtimm- 
ter Richtung hervorgehen muß? -- Uebrigens bemerke ich noch, daß die 
Vernunft Widerſprechendes doch faſſen zu können ſcheint, wenn gewiſſe Leute 
es ihr zumuthen , vgl; Nr. 46.
	        

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