Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Der Kosmos vor einem Keßhergericht. 147 
geringen Abplattung der Erde auf ihre zunehmende innere Ver- 
di<tung geſchloſſen und dabei behauptet wird , daß eine Höhlung 
in ihrem Inneren undenkbar ſei. Kann ſie denn nicht ein elaſti- 
ſches Fluidum in ſich ſchließen ? Die mit Luft gefüllte , nicht ab- 
geplattete Waſſerblaſe widerſpricht dieſer Theorie, welche der aus 
einer gleich dichten Maſſe beſtehende, ſphäroidiſch geformte Waſſer- 
tropfen andererſeits beſtätigt 22). 
| Wir finden no< manches, ſowohl im Kosmos als in deſſen 
Bearbeitung als erwieſen Dargeſtellte problematiſch. So z. B, die 
planetariſche Geſchwindigkeit der Meteore **), Bermöge dieſer *7) 
ſollen die Sternſhnuppen von der Erde angezogen (?), in deren 
Atmoſphäre leuchtend werden (?) (Kosmos S,. 120). Iſt das in 
einer Note erwähnte Faktum ihres „Aufwärtsſteigens'“ erwieſen, 
ſo zerfällt dieſe Theorie ohnehin *8), Allein auch die in einer 
35) Welch ein Chaos von Vorſtellungen! Bei Ihrer „luftgefüllten 
Waſſerblaſe“, Herr Anonymus, ſind andere Kräfte als Schwere und Schwung- 
kraft vorhanden, um deren Wirkſamkeit bei ver Geſtaltung der Erde es ſich 
handelt. Hier nun kann man aufs bündigſte beweiſen , freilich mit Hilfe 
höherer Mathematik, daß die Erde nicht gleichmäßig dicht ſein kann, weil 
ſonſt ihre Abplattung vermöge ver Schwungkraft bedeutend größer ſein 
müßte, noc< weniger alſo eine nach Junen abnehmende Dichte haben, am 
allerwenigſten aber hohl ſein kann , ſei es auch mit Luft gefüllt, weil dieſe 
bekanntlich eine ſehr geringe Dichte hat. Uebrigens werden kleinere Höh- 
lungen nicht ausgeſchloſſen , fondern nur ſolc<e, die mit ver Größe der ganzen 
Erde in einige Vergleichung kämen. Ueberdies folgt die zunehmende Dichte 
auch aus direkten Verſuchen, welche als mittlere Dichte der Erde 5!/, geben. 
-- Unſer Gegner benimmt ſich im Grund wie mancher der deutſchen Philo- 
ſophen , welche er mit ſeinen Bannflüchen verfolgt, Unſinn das zu nennen, 
was zu verſtehen man zu unwiſſend, zu träge und zu vorurtheilsvoll iſt, =- 
Was iſt das endlich für ein „einerſeits-andererſeits“, als ob man in Dingen, 
die ſich bereits beweiſen laſſen, wie ver pythagoräiſche Lehrſaß, hin und her 
vüfteln dürfte , wie ein Advokat! 
36) Soll heißen der Sternſchnuppen u. vgl. (weil es nämlich noch an- 
dere Meteore gibt). -- Allein dieſe Geſchwindigkeit iſt eben Thatſache der 
Erfahrung, und höchſtens die Schlüſſe, vie Humboldt daraus zieht, laſſen ſich 
etwa noc< anfechten. 
37) Keineswegs, ſondern troß derſelben werden fie, wenn fie der Erde 
zu nahe kommen (ihr begegnen), von derſelben vollends mit überwiegender 
Stärke angezogen, ſo gut als jever Körper auf der Erde, Luft und Wol- 
ken u. ſ. w. . 
38) Ein geworfener Stein ſteigt auch zeitweis aufwärts, während er 
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