Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

150 1. Abhandlungen. 
erkannter Thatſachen in Zweifel gezogen zu ſehen, was ſie hin- 
ſichtlich der früheren für erwieſen hielt. Wir erinnern hier no<- 
mals an den Planeten Neptun, an den Enke'ſchen Kometen, 
nicht weniger aber auc< an die von Herrn von Drieber gegen 
die Theorie des Luftidru>s erhobenen Bedenken , und finden uns 
im Stande, die Adhäſionserſheinungen als ſchlechterdings un- 
richtig erklärt zeigen zu können **). 
Was helfen uns zuſammengehäufte Erfahrungen, deren 
wahre Urſa<he uns immer fremder wird, je mehr ihre Zahl 
wächst! Werden uns Chemie, Optik , Mechanik und alle ſon- 
ſtigen Hilfswiſſenſchaften je zur Erkenntniß des wahren Grundes 
der Dinge verhelfen ? Schwerli<h! Wird ſich dieſer unſeren 
Meinungen zu Gefallen ändern? Nie! Wird uns ein Fort- 
ſchreiten auf dem Wege des Dahingeſtelltſeinlaſſens dieſes Grun- 
des, auf den do< Alles ankommt, des Abſprechens über 
ihn und ſeine Eigenſchaften, oder gar des vernunftwidrigen Läug- 
nens Alles deſſen, was ſonſt über ihn angenommen wurde, be- 
glüfen? Nimmermehr ! **) 
Die Zweifel an der Richtigkeit der Theorien, welche die 
Phyſik gibt, ſind unbedeutend hinſichtli<) derer , welhe gegen die 
von der Phyſiologie und Pſyc<ologie aufgeſtellten Säte erhoben 
werden, Schon die erſte Erzeugung des vorzugsweiſe geiſtig 
begabten Weſens, des Menſchen, iſt in ein undurc<dringliches 
Dunkel gehüllt, Es ſtehe hier das darüber von Humboldt 
m mn woe mms mm euerem 
46) D. h. wir berufen uns auf zwei Hochtriumphe der Naturwiſſenſchaft 
(weil wir über den Stand der Sache falſch berichtet ſind) , auf einem baaren 
Unſinn, Herrn Driebers nämlich, und auf etwas, was wir nicht ſagen 
(= können ?), oder ſollte Herr Anonymus wirklich ſo grauſam ſein, das 
wenige Wiſſenswürdige, was er weiß, ſeinem Leſer vorzuenthalten ? 
*?7) Der wahre Grund der Dinge, d. h. die göttliche Allmacht , iſt nicht 
Gegenſtand der Naturwiſſenſchaft, dieſe ſucht vielmehr nur einen Gegenſtand 
auf den anderen, die Maſſe der Erſcheinungen auf gewiſſe phyſiſche Lebte 
zurüFzuführen. Aber die Maſſe der Erſcheinungen, welche die Naturkunde 
(zum Theil mit Hilfe von Teleſcop und Mikroſcop) kennen lehrt, ſowie ihre 
innere Verkettung , deren Erforſchung das höchſte Ziel der Naturwiſſenſchaft 
als ſolcher iſt, kann vom Religionslehrer gewiß mit Vortheil benüßt wer- 
den, um die göttliche Almacht und Weisheit ins rechte Licht zu ſeßen. Das 
ſieht freilich ein ſolcher nicht ein, welcher ver göttlichen Allmacht Hohn ſpricht, 
indem er die Unendlichkeit der Welt annehmen gleich Gott läugnen ſeßt.
	        

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