Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

152 I, Abhandlungen. - 
Urſache , den Geiſt, erfaßt zu haben; und ein Phyſiolog, zugleich 
Parlamentsglied , rühmte ſich deſſen unlängſt von der Tribüne 
herab. Er wollte ſeine Weisheit auf Koſten der Religion gel- 
tend machen, erinnerte ſich aber nicht, daß eben die Erinnerung 
kein Attribut wechſelnder Körpertheilhen ſein kann , ſondern viel- 
mehr für eine neue geiſtige Erzeugung des früher Empfundenen 
zu halten iſt. Dieſes ſtrömt, wie das Licht dem Daguerrotyp, 
dem Organismus vermittelſt des leitenden Nerven zu und kann 
auf ihn zuweilen fortdauernd einwirken, d.h. ſich in ihm firiren, **), 
- In Erwägung alles hier und früher Geſagten ſcheint es 
faſt , daß das Studium des Gejammtlebens der Natur , junge 
Leſer beſonders, an Wiſſen nicht ſehr bereichern möchte, ja daß 
es vielmehr dazu beitragen dürfte, daß in ihnen ſi< dur<kreu- 
zende Vorſtellungen yom Gränzenloſen und Begränzten, vom 
Ewigen und Anfänglichen erzeugen, und daß ſie ſomit ein ſinn- 
verwirrendes Bild vom All, ſtatt eines hellen, wohl aber ein 
vermeintliches Solches erhalten. Wäre nun dem alſo, ſo müßte 
män wohl jener im Kosmos erwähnten Kir<henverſammlung zu 
Tours beipflihten, wel<he „den Mönchen das ſündhafte Leſen 
phyſikaliſcher Bücher verbot,“ Nein! Der Wißbegier ſeien keine 
Gränzen gezogen! Kommt do< bei ſolhen Büchern alles auf 
deren-Erkflärung an. Ob nun die von Hrn, Reuſ<le gegebene 
ſich mit dem do<h noh beſtehenden Dogma von Gott und der 
Unſterblichfeit der Seele verträgt, das möge der aufmerkſame 
Leſer entſcheiden. Wir finden, daß darin zeitgemäß der Gott- 
heit mit keinem Worte Erwähnung gethan, und der Menſchen- 
geiſt ſo beurtheilt wird, daß der ſeiner zeitlihen Dauer befliſſene 
Egoiſt ſim faſt im Recht ſieht, und jeder dur< Sceingründe 
zum Pantheismus verleitete Jüngling, ohne alle Gefahr ſein 
vermeintliches höheres Wiſſen zum gemeinen oder gar zum Glauben 
En meme emed emen nme 
no< den berühmten Phyſiologen Müller, welcher auch die bildende Kraft 
[ven Geift] in ver ſchon gebildeten organiſchen Form finde , und hält dieſer 
„ſonderbaren Behauptung die Frage entgegen , „wer die erſte Form ſchuf?" 
-- I< für meinen Theil habe nur zu bemerken , daß der Kosmos keine ſolche 
Behauptung enthält ;- ich ſpreche blos den Gedanken eines innigen Zuſammen- 
hangs zwiſchen der menſchlichen Organiſation und den geiſtigen Erſcheinun- 
gen aus, die wir daran wahrnehmen.
	        

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