Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Ueber die ſogenannte mathematiſche Geographie. 155 
Aber in welchen Gang des geographiſchen Unterrichts gehört 
dieſes Bild ? Offenbar in den letzten z denn obgleich alle dieſe 
Lehren mit möglichſt wenig Aufwand von Mathematik dargeſtellt 
werden ſollen, namentlich ohne alle analytiſ<he Rechnung , ſo 
gehört doH eine Menge geometriſcher Begriffe weſentli dazu, 
deren ſich ſelbſt die populärſte Darſtellung nicht entſchlagen kannz 
aber auch ſchon die vielſeitige Verkettung von*“Urſachen und Wir- 
fungen , die hier zur Sprache kommt, erfordert höhere Reife der 
Schüler, Auf der anderen Seite aber kann man nicht umhin, 
manc<he Thatſachen, welche die Phyſik der Erde urſächlich be- 
handelt, vorher ſchon zu erwähnen, ſo muß man z. B, einige 
Lehren der ſogenannten mathematiſchen Geographie gleich zu 
Anfang des wiſſenſchaftlichen geographiſchen Unterrichts mittheilen, 
ohne welche nämlich kein Verſtändniß der Karten mit ihrem 
Gradnetz mögli< wäre, deßgleichen die Lehre von den Zonenz 
alsdann darf man z. B. bei der Geographie von Indien die 
Monſune des indiſchen Oceans nicht unerwähnt laſſen, bei der 
von Peru ſeinen Regenmangel und den ſeine Küſte abkühlenden 
Kaltwaſſerſtrom des großen Oceans u, dgl. mehr. Nun meint 
man aber häufig, namentlich bei man<en Gegenſtänden der Phyſif, 
man dürfe die Thatſachen dem Schüler nicht angeben, ohne ſie 
zugleich zu erklären, und man hat ſi< dadurch ſchon zur Ueber- 
gehung mancher Thatſache befugt gefunden, weil man ſie doch 
nicht erklären könnte , weil ihre Erklärung zuviel Hülfskenntniſſe 
erfordere oder no< zu ſehr dahingeſtellt ſei. Wollte man dieſen 
Grundſaß folgerichtig feſthalten , ſo müßte man oft die einfachſten 
Erſcheinungen verſchweigen, man dürfte z. B. nicht dieſes Land 
als Heimath des Kaffees, jenes als Heimath des Tigers oder 
der Cholera bezeichnen, denn von Erklärung iſt hier keine Rede. 
Im Gegentheil, man darf ſelbſt Rehnungsregeln und geometrij<e 
Sätze dem Schüler mittheilen, ohne zugleich die Beweiſe zu 
lehren, z. B. den Satz von dem Flächeninhalt einer Kugelzone, 
die Eigenſchaften der Ellipſe und Parabel u. dgl. 
Insbeſondere iſt nun die Meinung ſehr verbreitet, man dürfe 
von der Abplattung der Erde, von den Zonen und Jahreszeiten 
nicht ſprehen, ohne die bekannten Erklärungen alsbald mitzu- 
theilen. Dieſe ſind zwar nicht ſo ſchwer zu begreifen, allein
	        

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