Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

156 | I, Abhandlungen, 
jedenfalls an der Stelle noh zu ſchwer, wo man das erſtemal 
wenigſtens von Jahreszeiten und Zonen ſprechen muß, denn das 
gehört in den Anfang. Ueberdies, gibt man denn die Erklärung 
ves Jahreszeitenwechſels, d. h. des wechſelnden Sonnenſtands 
vollſtändig? Nein! man geht blos bis zum ParallelisSmus der 
Erdaxe zurück, und zeigt, wie durc< dieſen allmählig andere und 
andere Parallelkreiſe der Erde in die Ebene der Ekliptik, alſo 
ſenkrecht unter die Sonne zu liegen kommen u, ſ, w. Aber da- 
mit iſt die Erklärung keineswegs zu Ende z jebt ſtehen noch 
zweierlei Erörterungen bepyor, Einmal iſt zu erklären, wie der 
gedachte Parallelismus eine Folge davon iſt, daß die Erdaxe 
eine Maſſenaxe (natürliche Drehaxe) iſt, welche ſofort durc< die 
Schwungfraft in ihrer Lage erhalten wird, ſofern nicht ander- 
weitige ſtörende Einwirkungen da ſind, Alsdann darf nicht ver- 
ſchwiegen werden, daß ſolche Einflüſſe bei der Erde allerdings 
vorhanden ſind, und daß demzufolge die Erdare nicht ſtrenge 
parallel bleibt, wohl aber ſehr nahezu in der Zeit eines Jahres. 
Ueberdies muß auch der Umlauf der Erde um die Sonne erflärt 
werden z kurz man gelangt in die Mechanik der Centralbewegung 
und der Präceſſion hinein. Soweit wird nun wohl Niemand 
beim Beginn des geographiſchen Unterrichts ſich verſteigen wollenz 
dann aber, wenn ihr nicht das Ganze der Erklärung gebt, braucht 
ihr auc keinen Theil zu geben und könnt auch den ParalleliSmus 
der Erdare für den ſpäteren Lehrgang aufſparen, 
Wohlan! was gehört alſo von mathematiſcher Geographie 
an die Spitze des geographiſchen Unterrichts, verſteht ſi an 
höheren Lehranſtalten, wo überhaupt erſt, wie in anderen, ſo in 
dieſem Fach der ſyſtematiſche oder wiſſenſchaftlihe Gang eintritt? 
Es iſt im Grund nichts anderes als die Lehre von der geogra- 
phiſchen Länge und Breite , natürlich ſo daß nicht blos die Zahlen 
an den Rändern der Karten, ſondern auch ihre Bedeutung für 
die Natur der Erdſtrihe und Erdorte erläutert werden. Dabei 
müſſen die drei Thatſachen : kugelähnliche Geſtalt des Erdkörpers, 
Arendrehung deſſelben und Umlauf um die Sonne erwähnt wer- 
denz man wird ſich aber enthalten, das lächerliche Regiſter der 
Beweiſe für die Kugelgeſtalt aus der Rumpelkammer unſerer 
Altvordern fernerhin nachzuſchleppen , jener Beweiſe Nr. 1,2,3
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.