Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

II. Bücherſchau, 
1. 
Deutſches Deklamir- und Leſebuch in lateiniſcher 
Schrift, Für die untern Sculflaſſen und den Privat- 
gebrau<ß von Dr. F. A. Gotthold, Gymnaſialdirektor, 
Königsberg , 1849, Bei Gräfe und Unzer, VIll und 120 
S. 8. Dru von F, A. BroFhaus in Leipzig. 
Der rühmlich bekannte Vorkämpfer der Gymnaſien und der claſſiſchen 
Bildung gegen Pietisömus und Verflachung gibt in vorliegendem Schulbuche 
einen neuen Beweis ſeines Strebens, der Aeſthetik in Stoff und Methode 
des Unterrichts Eingang zu verſchaffen , wie er daſſelbe ſchon in verſchiedenen 
Schriften und gewiß auch im praktiſchen Lehramt bethätigt bat. Leider zeigt 
der Herauszeber eine durch das ganze Buch durchgehende Unklarheit ſeines 
Strebens in Zwe> und Mitteln. Das Bedürfniß der äſthetiſchen Erziehung 
beſteht in ſich ſelbſt; Unklarheit über ven Zwe> iſt es, den Gymnaſiaſten 
das gut Vorleſen zu empfehlen, „weil der Unbemittelte nach einer ſolchen 
Vorleſung in einer bildungsliebenden Familie wohlbewirthet mit einer an- 
gemeſſenen Nemuneration heimkehrt.“ Eine Ausdehnung des „von scholae, 
ged vitae“, gegen welche um der Ehre aller höheren Bildung willen eine 
ernftliche Verwahrung ſid gebührt. Eben ſo unklar iſt die Wahl ver Mit- 
tel. Der Verſuch, ein ganzes Leſebuch von bald dialogiſirten, bald gar 
dramatiſirten Fabeln und Mährchen für Sextaner! aufzuſtellen, muß als 
von vornherein unklar und unzwe>mäßig bezeichnet werden, Jever im deut- 
ſchen Unterricht erfahrene Lehrer weiß, wie wenig no< in Secunda die 
Mehrzahl für einen nur halbwegs dramatiſchen Vortrag reif iſt, ſelbſt in 
Balladen u. ſ. w. , geſchweige daß fie dramatiſche Charaktere im Leſen durch- 
führen könnte! Sextanern aber die ſchwierigſte und höchſte Gattung des 
Vortrags einimpfen zu wollen, ift Künſtelei ; wie ſoll ihre Einbildungskraft 
die großen Lücken im hiſtoriſchen Gange ausfüllen , welche der Dialog nöthig 
macht? wie die Couliſſen und die Zwiſchenakte hinzudenken ? wie vor Allem . 
fich mit fremden Perſonen identificiren, beſonders wenn gar Simonides, 
Aeſop, Zeus und Merkur als ſolche auftreten. 
Leider muß =- Ref. hinzuſeßen , daß die Ausführung noch verfehlter iſt, 
als die Ivee. Einzelne Fabeln, wie 21, „der Eſel und Aeſop“, 29 „Simo-
	        

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