Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

11. Bücherſchau. 171 
freundlich an. Die ganze Jdee und die Einrichtung des Buches ſind zwar 
nichts Neues, würden ihm aber vor jedem dogmatiſch eingerichteten Schul- 
buch den Vorzug ſichern , wenn =-- die Schule eben ſchon frei von der Kirche 
wäre. So lange aber der geiſtliche Dru von oben (wie jebt faſt überall 
wieder) den Unterricht an die Dogmatik preßt, ſo lange noch ex officio 
eine an ſich ſ<on unverhältnißmäßige Zeit darauf verwandt werden muß, 
das Gedächtniß mit Lehrſäßen und Sprüchen vollzupfropfen , welche die Kin- 
der nicht verſtehen können, kurz, ſo lange noc< aus Zwangsgründen der 
Religionsunterricht ſo bleibt, wie er iſt, ſo lange wird für die meiſten 
Schulen ein ſolches Leſebuch nicht zu brauchen ſein. Denn, wo ſoll die 
Volksſchule no<h Zeit übrig behalten für Leſeſtunden religiöſen , aber nicht 
bibliſchen Jnhalts neben dem Bibelleſen, ohne die übrigen Fächer ſelbſt um 
vas Nothdürftige zu ſchmälern ? 
Obgleich daher drei Auflagen in vier Jahren eine freundliche Aufnahme 
von vielen Seiten beweiſen, ſo wüßte doch Ref. nicht, das Buch zur Ein- 
führung in Schulen zu empfehlen , ſo ein zwe>mäßiges Leſebuch es auch, 
namentlich wegen ſeines billigen Preiſes (18 Bogen für 5 Ngr.) ſein würde. 
Die Eintheilung ves Stoffes erinnert an Dinter ; an Anordnung und 
Wahl des Einzelnen ließe ſich mancherlei loben und rügen. Der eigentliche 
Text würde dem Lehrer meiſt zu mager in der Lehre und zu weitſchweifig 
und blumig im Styl erſcheinen 3 namentlich die eingeſtreuten Verſe ſind zu- 
häufig und oft nicht anſprechend z; auch der Styl der Erzählungen könnte 
gedrängter, kerniger und doch kindlicher ſeinz aber im Ganzen macht das 
Buch einen angenehmen Einpru> und wird auf Kinder anſprechend und 
anregend wirken. | 
A. R. v. O,. 
4. 
Die Weisheit meiner Mutter, Ein Sprüchwörterbüch- 
lein für Kinder. Hamburg. Berlag von Georg Heubel 
(ohne Jahr). X und 67 S. kl. 8. 
Der Verf., der ſich in einer kindlich ſein ſollenden , in ver That. recht 
kindiſchen Vorrede Heinrich K. unterzeichnet , gibt ni<t an, was für Kin- 
ver ſein Buch in die Hände bekommen ſollen, und hat es ſchwerlich ſelbſt 
gewußt. Daß Sprüchwörter und ſprüchwörtliche Redensarten einen herr- 
lichen Stoff zu Denkübungen für Kinder abgeben, weiß jeder denkende Lehrer 
und ebenſo, daß ſolche Erzählungen einen guten Leſeſtoff bilden, aus denen- 
ein Sprüchwort verſtanden wird z aber beſſer als eine grundſaß= und ge- 
ſchma>loſe Verwäſſerung mit nichtsſagenden Einleitungen und Erzählungen 
ohne Pointe und Intereſſe würde eine bloße alphabetiſche Zuſammenſtellung 
geweſen ſein. Das Büchlein hätte füglich ungedru>t bleiben können ; Schul- 
kinver und Lehrer können es nicht brauchen. 
A. R. v. O. 
emmnnn megemenennmnngn wem emm nn meme ar
	        

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