Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

II. Bücherſchau. 173 
mologie und Orthographie zu gehn iſt eine Kühnheit, die ſich ſelbſt beſtraft. 
Die wenigen Male, wo der Verf. auf eine altveutſche Form zurückgeht, 
nehmen ſich bei dieſer Seltenheit ganz ſonderbar aus, namentlich wenn fie 
(wie im 42. Verz.) citirt werden, wo die neuhochdeutſchen Formen ausge- 
langt hätten. 
Nicht nur aber in ven Grundlagen, auch in der Ueberſicht über den 
Stoff macht ſic der Mangel an Wiſſenſchaftlichkeit und Klarheit geltend. 
Der Verf. will mit ſeinem Buche womöglich Alles befriedigen, Schule und 
Haus, und gelehrte Forſchung 3 er ſucht Grammatik, Wurzel - Wörterbuch 
und ſogar Fremdwörterbuch in ſeinem Werk zu vereinigen, hat nach vielen 
verſchiedenen Richtungen hin mit großem Fleiß Verzeichniſſe angelegt, die 
er für vollſtändig hält -- und bringt nun mit dieſem großen Fleiß ein 
mixtum compositum zuſammen, das weder Methode noc< Syſtem hat. 
Eine Saßlehre von 42 Seiten ſoll die Einleitung zu einem Werke von 
480 Seiten bilden das doch auc< die Jnterpunktion erſchöpfend behandeln 
ſollte ; weiter hinten kommen 33 Leſeregeln für die franzöſiſche Aus- 
ſprache in einein deutſchen grammatiſchen Werke, natürlich viel 
zu kurz und unbeſtimmt, als daß ſie irgend jemand brauchen könntez weiter 
nicht nur ein Verzeichniß von Taufnamen, ſondern ſogar eines von geo- 
graphiſchen Eigennamen , alſo ein geographiſches Wörterbuch en miniature 
von etwa 450 Namen, worin glülicher Weiſe Aalen und Neuffen figuriren, 
die Enz und Nagold, Caſſel und Darmſtadt, Rio Janeiro und Calcutta, 
Jſar und Dufeſter als zu unwichtig übergangen ſind! Weiter hinten kom- 
men Fremdwörterverzeichniſſe und dann gar ein Verzeichniß fremder Redens- 
arten d. h. lateiniſche Sprüchwörter , franzöſiſche zuſammengeſeßte Bezeich- 
nungen , juriſtiſche Formeln , einige techniſche Ausdrü>e u. dergi. bunt durch- 
einander ſtehn, ohne daß der Verf. irgend einen vernünftigen Grund an- 
geben könnte , warum er nicht noc< 400 andere lateiniſche Sprüchwörter auf- 
führt, die eben ſo gebräuchlich ſind, und überhaupt warum er in dies Ver- 
zeichniß irgend einen AusdruF aufgenommen oder nicht aufgenommen hat, 
Bei den Fremdwörterverzeichniſſen iſt vie Auswahl ungefähr ebenſo gut 
motivirt. A, R, v. O, 
amen art Semes ernten wun daes 0 anwen nn emen m 
6. 
Grundzüge der neuho<hdeutſ<en Grammatik für die 
unteren und mittleren Klaſſen höherer Bildungsanſtalten von 
Friedr, Bauer, Cand. rev. min. , bisherigem Lehrer der 
Religion und deutſ<en Sprache an der Kreis - , Landwirth- 
ſhaft - und Gewerbsſchule zu Nürnberg. Nördlingen, C. 
H. Be>, 1850. Preis 45 kr,, in Parthieen 36 kr. 121 
Seiten in 8. 
Das vorſtehende Werk hat ſiß nac< der Vorreve die Aufgabe geſtellt, 
die ſo bedeutſamen Reſultate ver neueren Sprachforſchung, namentlich der
	        

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