Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

174 IT. Bücherſchau, 
hiftoriſGen Schule, in einer vem Bedürfniß und der Faſſungskraft der Ju- 
gend angemeſſenen Form der Schule zugänglich zu machen und damit einen 
Beitrag zu liefern, daß das Studium unſerer Mutterſprache mit größerer 
Luſt , mit mehr Eifer und Nußen möchte betrieben werden. Die Vorrede 
ſchließt mit dem frommen Wunſch: „Möge das Büchlein dieſelbe Luſt und 
Liebe zur werthen Mutterſprache und zum lieben deutſchen Vater- 
lande we>en, mit der es geſchrieben ift. Gott erhalte der lieben deut- 
ſc<en Jugend und dem deutſchen Volke deutſchen Sinn und deutſche 
Art, damit es nicht auch von dem Gott ſeiner Väter weiche!“ 
Die Einleitung beginnt mit der Definition: „Die Sprache iſt die 
Gabe und die Kunſt, andern ſeine Gedanken mitzutheilen.“ Beer, 
deſſen Vorarbeiten der Verfaſſer benüßt haben will, und der namentlich in 
ſeinen Definitionen als ein Muſter von Beſtimmtheit und Klarbeit gelten 
bürfte , ſagt dagegen ausdrü>lich: Die Sprache wird nicht eigentlich er- 
lernt, wie eine Kunſt, ſondern ſie iſt eine Gabe der Natur, und wird 
nur durch das geſellige Leben entwi>elt und, wie andere natürliche Ver- 
richtungen, durc< Uebung vervollkommnet.“ | 
Nach einigen kurzen Notizen über die Mundarten folgt die Lautlehre, 
aus welcher wir lernen, daß die langen Vokale für den grammatiſchen 
Zwe> mit vem Giebel bezeichnet werden, ä, &, i, ö, us3 ſonſt gar nicht 
oder durch die Dehnungszeichen e und h (warum nicht auch durc< Verdopp- 
lung? Aal, Loos, Meer ?). Sodann folgt unter der Aufſchrift Biegungs- 
lehre die Aufzählung der 9 Redetheile, Declination des Subſtantivs, des 
Adjectiv und ſeine Declination. Die Steigerung des Adjektivs fehlt, und 
anſtatt einer Eintheilung nac< Bedeutung und Ableitung beißt es: Beiſpiele 
von Adjectiven, 4) einfache: alt, baar; eng 1c.3 2) abgeleitete: böſe, 
enge 2c. und andere auf el, er, ig, iſch, icht, 3) zuſammengeſeßte mit 
lich, ſam, bar. Mit wel<hem Grund eng ein einfaches und enge ein 
abgeleitetes Adjectiv genannt wird, vermag Ref. nicht einzuſchenz ebenſo 
wenig, warum die Endungen iſch, icht adgeleitete und lich, ſam zu- 
ſammengeſebte Adjectiven bilden ſoll. 
Dies Wenige möchte genügen, um zu zeigen, daß dieſe neuhoc<deutſche 
Grammatik weder an Vollſtändigkeit, nom an Gründlichkeit und Sicherbeit 
ver Behandlung der Be>er'ſchen Sprachlehre nahe ſteht, und vaß vem 
Verfaſſer ein gründlicheres Studium ſeiner Vorbilder, Grimm und Beer, 
zu wünſchen wäre, um ſeinem Werke die für den jehigen Standpunkt des 
deutſchen Sprachunterrichts erforderliche Brauchbarkeit zu geben. Jndeß 
dürften ſolc<e theoretiſche Grammatiken der Mutterſprache in der Hand der 
Schüler eher ganz überflüſſig ſein 3 wenn der Lehrer ſeine deutſche Gram- 
matik im Kopf hat und das ſoll er haben, ſo wird er an der Hand des 
Leſebuchs und bei den damit verbundenen ſprachlichen Uebungen es nicht 
verſäumen , die nöthigen grammatiſchen Erläuterungen gründlicher und voll- 
ſtändiger zu entwieln als fie hier gegeben find. 
. F. G. 
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