Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

I1. Bücherſchau, 177 
Weiſe dem Leſer vorgeführt, daß ich mich ſchon im Intereſſe der Wahrheit 
veranlaßt finde, darauf zu antworten. 
Vor allem hätte ich billig erwarten dürfen , daß meine Arbeit zunächſt 
vom prinzipiellen Standpunkte aus gewürdigt worden wäre, -- Jedes 
andere Verfahren führt nur zu leicht zu Mißverſtändniſſen und unrichtigen 
Schilderungen, indem alsvann gewöhnlich einzelne Säße aus dem Zuſam- 
menhange herausgeriſſen und nach der vorgefaßten Meinung des Kritikers 
gedeutet werden. Unter ſolchen Umſtänden iſt dann die Zumuthung an den 
Leſer , aus jener Miſchung von Erdichtung und Wahrheit auf den Werth 
ves Ganzen zu ſchließen, mindeſtens ungerecht. 
Mein Kritiker wäre zu einer prinzipiellen Beurtheilung um ſo mehr 
verpflichtet geweſen, als das ganze geometriſche Lehrgebäude des Leitfadens 
auf der im Vorworte hinreichend begründeten Anſicht beruht, daß man im 
elementaren Unterrichte der Geometrie von der Entſtehung der Raumgrößen 
durch Bewegung ausgehen und zugleich aus dieſer Entſtehung die geome- 
triſ<en Säßbße ableiten müſſe. Konnte der Kritiker dieſe Grundlage des 
Leitfadens nicht widerlegen , ſo hätte es ſeine Aufgabe ſein ſollen, zu unter- 
ſuchen, ob das Buch vom genetiſchen Standpunkte aus conſequent und 
wiſſenſchaftlich durchgeführt worden ſei. 
Der anonyme Kritiker hat aber in der That weder das eine- noch das 
andere verſucht; indem ex der Anſicht iſt, „daß es ſich vielmehr darum 
handle , dem Leſex in einzelnen, dem Buche ſelbſt entlehnten Beiſpielen die 
Durchführung der Methode anſchaulich zu machen“ und „vom Standpunkte 
ves praktiſchen Lehrers zu beurtheilen.“ =- Um dieſe Aufgabe zu löfen, fin- 
'det ex zunächſt tadelns8swerth, daß der Leitfaden ſich nur auf z wei Axiome 
ſtüße und nicht auch no< andere Grundſäße wie z. B. „Gleiches zu Glei- 
them addirt, gibt Gleiches u. ſ. w.“ aufgeführt ſeien und geht dann in 
ſeinem kritiſchen Eifer ſo weit, daß er ſich zu zeigen abmüht, durch was 
für einen Gedankengang jene ausgelaſſenen arithmetiſchen Grundſäße erſeßt 
worden ſein mögen. -- Hätte aber der Herr Anonymus gewußt, daß ſene 
Säße, welche er durchaus als Grundſäße aufgenommen haben will, ſehr 
einfach bewieſen werven können und daher gar keine Grundſäße ſind 
(vergl. z- B. S, 49. der 2ten Abtheilung des vortrefflichen Lehrbuchs der 
Arithmetik von Dr. Wittſtein), ſo wären ſeine irrigen Conjecturen , na- 
mentlich auch die ſonderbare JiUuſion , das die Nichtanwendung jener Säße 
als Grundſäße -- auf das Weſen des ganzen Buchs den entſchiedenſten 
Einfluß ausgsüben müſſe , -- wahrſcheinli<h unterblieben. -- Welchen ent- 
ſchiedenen Einfluß aber ſolche Mißverſtändniſſe auf die Beurtheilung 
des ganzen Buchs ausüben mußten und wie wenig mein Kritiker bei ſolchen 
Illuſionen im Stande war, die Durchführung meiner Methode an- 
ſchaulich zu machen, wird dem Leſer nicht lange zweifelhaft ſein können. 
Nicht minder bemerkenswerth iſt, daß ver Kritiker auch die auf S. IX 
des Vorworts ausgeſprochene Behauptung „die genetiſche Methode bedürfe 
keiner ſogenannten Definitionen, ſondern begnüge ſich ſchon mit 
genetiſchen Erklärungen“ arg mißverſtanden hat, „Da er nämlich 
Pädag, Vierteljahröſchrift. YI.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.