Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

180 | II. Bücherſchau. 
Dieſer leßtere Umſtand verdient um ſo mehr berücfichtiget zu werden, als 
fich daraus ergibt, daß das Beweisverfahren der Euklidiſchen Methode erſt 
durch die genetiſche Methode gehörig begründet werden kann. Wenn mein 
Kritiker dagegen einwendet, daß die Beſtimmungsſäße des Winkels 
und des Dreie>s (6. 45. u. 6. 20. B.) von einem Schüler, der nicht als 
Mathematiker und Logiker vom Himmel gefallen ſei , nicht wohl iſolirt be- 
wieſen werden könnten , ſo darf dies um ſo weniger Wunder nehmen , als 
er gerave von dieſen Säßen behauptet, daß ſie nicht aus den Betrachtungen 
des Leitfadens, ſondern erſt aus den gewöhnlichen Congruenzſäßen des 
Dreie>s ſtreng abgeleitet werden könnten. --- Dieſe Behauptung wird aber 
nicht anders beleuchtet als mit einigen Exrklamationen und mit der Erklä- 
rung , daß ein Euklidianer die fraglichen Säße durc< das DeFungsver- 
fahren beweiſen würde, ohne deßhalb ven Grundſaß des Leitfadens : 
„Zwei Raumgrößen find einerlei, wenn ſie einerlei Bilvungsgeſch haben 
d. h. unter ven nämlichen Bedingungen entſtehen“ nöthig zu haben. -- 
Der Kritiker hat vabei nur die Kleinigkeit überſehen, daß ein Euklidianer 
anſtatt jenes Grundſaßes einen andern, nämli<h: „Was einander de>t 
iſt einander gleich (einerlei) vorausſeben muß; -- daß dieſer leßtere Saß, 
ſo lange er als ein oberſtes Prinzip geltend gemacht wird, mehr als ein 
roh empiriſches Hülfsmittel erſcheint und daß endlich dieſer Saß erſt dann 
rein wiſſenſchaftlihe Bedeutung erhalten kann, wenn er aus dem allgemel- 
nen Jvdentitätsgeſeße der Raumgrößen abgeleitet wird. -- Gewährt dies dem 
Kritiker immer noc< nicht Beruhigung genug, ſo kann er ſich durch das 
ſhon früher angeführte Lehrbuch von Dr. Wittfiein 2te Abthlg. 6. 29. 
no< weiter belehren laſſen. -- Nur möge ihn dann ein guter Genius vor 
fatalen Mißverſtändniſſen bewahren! 
Schließlich mache ich den Leſer no< auf die beſondere Anſicht des Kriti- 
kers von ver Natur ver Raumgrößen aufmerkſam. Am Ende ſeiner Kritik 
erklärt er nämlich, daß „in der Zeichnung (1?'), durch welche eine Figur 
dargeſtellt werde, ihre wahre Geneſis liege“ und daß „nicht in ge- 
wiſſen Bewegungen, durch welche eine Figur entſtanden gedacht wer- 
den kann, ſondern in der Zeichnung, durch welche fie wirklich ent- 
ſtanden ſei, ver Urgrund ihrer Eigenſchaften liege.“ -- Mag der 
Leſer , vom Standpunkte allgemeinwiſſenſchaftlicher Bildung eine ſolche An- 
ficht , ſo handgreiflih fie auch ſchon beim erſten Blie erſcheinen dürfte, 
durchaus un wiſſenſchaftlich, finden, ſo bleibt dem Kritiker voch immer 
das tröftliche Verdienſt, eine längſt überwundene Sache wieder einmal zur 
Sprache gebracht zu haben, 
Lieſtal. Weller. 
FE 
Erwiderung auf Herrn Weller's Antifritik, 
Wenn H. W. fich varüber beklagt, daß ich in meiner Beurtheilung 
ſeiner Arbeit dieſe weder nach den ihr zu Grunde liegenden Prinzipien ge- 
würdigt, noc< unterſucht habe , „ob das Buch vom genetiſchen Standpunkte 

	        

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