Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

182 II, Bücherſchau. 
genetiſchen Methode, deren Bedeutung für die Wiſſenſchaft ich eben ſo ge- 
wiß nicht verkenne , als ich ihre unbedingt allſeitige Durchführbarkeit im 
Jugendunterrichte vorerſt noch bezweifle. 
Doch dem ſei, wie ihm wolle, ſo kann man jedenfalls von einem 
Lehrbuch der Geometrie, ob es in der genetiſchen over in der euklidiſchen 
Methode abgefaßt ſei, verlangen, daß es den Anſprüchen der formalen 
Logik genüge, d. bh. daß es aus ven einmal angenommenen Erklärungen 
und Grundſäßen ſeine Schlüße folgerichtig ziehe, und es ift veßhalb , da 
der Verf. meine Berufung an den didaktiſchen Takt der Leſer verworfen hat, 
ver formal logiſche Standpunkt vie nächſte Inſtanz, vor welcher ich mit ihm 
zu erſcheinen habe. 
Ich verſtehe eigentlich nicht recht, was eine genetiſche Erklärung ſei, 
meint der Verf. und gibt mir dazu verſchiedene gute Lehren mit auf den 
Weg. Nun gut, vielleicht iſt mancher meiner Lefer in gleichem Falle, wie 
ich , der ich mein Griechiſch und etwas Philoſophie , wie es ſcheint, umſonſt 
gefernt habe =- wir wollen alſo aus des Verf. Leitfaven an ſeinen gene- 
tiſ<en Erklärungen lernen, was eigentlich eine ſol<he iſt. Nehmen wir 
einmal eine vor. Da ſteht auf S. 142 „B. Bewegung einer geraden 
Linie“ (vorher war von derjenigen eines Punkts -- Linie = gerade Linie 
-- die Rede). „Die Bewegung einer geraden Linie im Raume kann auf 
verſchiedene Weiſe erfolgen , man unterſcheidet hauptſächlich ( ? ) folgende 
drei Arten : 1. Die drehende Bewegung. Die gerade Linie bewegt 
ſich um einen in ihr gelegenen feſten Punkt.“ Der Leſer wird gebeten, 
dieſen feſten Punkt recht feſt zu halten, er möchte uns ſonſt entlaufen. 
Weiter: „Während alle anderen Punkte ihre Lage verändern, verän- 
vert die Linie ſelbſt ihre Lage und Richtung. I]. Die fortſchreitende 
Bewegung. Alle Punkte der geraden Linie ſchreiten im Raume fort, ſo 
vaß dabei jede drehende Bewegung der Linie um. einen Punkt ausgeſchloſſen 
bleibt.“ Leßteres verſteht ſich nac< der vom Verf. aufgeſtellten Erklärung 
der drehenden Bewegung ganz von ſelbſt, da ja zu dieſer ein feſter Punkt 
gehört, der natürlich nicht vorhanden iſt, wenn alle Punkte der Geraden 
im Raume fortſchreiten. Die Erklärung der drehenden Bewegung iſt daher 
in einer ganz unbrauchbaren, in einer ſo unbrauchbaren Form aufgeſtellt, 
daß es dem Verf. unmöglich wird , von der rein fortſchreitenden Bewegung 
eine wirkliche drehende Bewegung (wie fie auch ohne feſten Punkt vor 
fich gehen kann) auszuſchließen , wodur< nun natürlich ſeine Erklärung von 
der Ebene, welche durch die rein fortſchreitende oder Parallelbewegung einer 
Geraden an einer andern erzeugt wird , in ſich zuſammenfällt, und der 
Verf. es ſich gefallen laſſen muß, wenn man ihm eine Schraubenfläche für 
eine Ebene bietet. Oder will ver Verf. die Vorſtellung von der drehenden 
Bewegung als eine vorgefundene, als ein Poſtulat annehmen, und durch 
ein einzelnes angeführtes Beiſpiel einer ſol<en Bewegung dieſelbe vem 
Leſex nur vorführen , gewißermaßen , ihm die Vorſtellung von der drehenden 
Bewegung zum Bewußtſein bringen 2? Dann mußte er dies ſagen , konnte 
übrigens nicht, wie er es thut, drehende, fortſchreitende und (aus beiden
	        

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