Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

Il. Bücherſchau. 187 
worden wäre, no< die Frage aufzuwerfen, ob denn die ab an der ae fort- 
ſchreitend jede Lage erreichen könne , welche ſie an der dc erreichen kann -- 
man hatte nicht nur die Jdentität der Lage ſondern auch der Ausdehnung 
jener zwei Weller'ſchen Ebenen (ab, be) und (ab, ac) zu bezweifeln. Jeden- 
falls iſt es aber ein neuer und origineller Gedanke, vie Schwierigkeiten ver 
Parallelentheorie hinter die Definition der Ebene zu verſte>en 3 mir wenig- 
ſtens iſt er neu, vielleicht iſt einem meiner beleſeneren Leſer ſchon etwas 
ähnliches bekannt. Z< bin daher dem Verf. ſehr vankbar für den Ge- / 
vankengang , auf welchen er mich gebracht hat, ſonſt würde ich hier einen 
bekannten Spruch, ich glaube von Göthe, auf ihn anwenden. Vielleicht 
fällt derſelbe manchem meiner Leſer von ſelbſt ein. -- Ueber den Saß des 
Hrn. Verf., die genetiſche Methode könne der Definitionen entbehren , da ſie 
ſich mit genetiſchen Erklärungen begnüge, ſind wir jet im Reinen ; wenn 
man die euklidiſchen Definitionen im Kopfe behalten und nachher doch mit 
denſelben handthieren will, ſo braucht man ſie natürlih nicht im Buch. 
Jedenfalls war es uns ſehr anziehend, den Verf. hier in ſeiner ureigenſten 
wiſſenſchaftlichen Thätigkeit anzutreffen. Er hat uns nämlich in ſeiner 
Vorrede zu verſtehen gegeben, er übertreffe Hrn. Dr, Wittſtein in der 
Durchführung der genetiſchen Methode inſofern, als dieſer die Ebene als 
vorgefunden annehme, während er (der Verf.) dieſelbe auch erzeugen laſſe. - 
Vielleicht wird unſer Hr. Verf. den Standpunkt der formalen logiſchen 
Folgerichtigkeit , vor dem unſere Sache ausgefochten ſein möchte , als einen 
überwundenen erklären und mich des Kampfs gegen Windmühlen beſchuldi- 
gen. In der einen Beziehung müßte ich ihm bemerken, daß „überwunden“ 
hier nicht im hegeliſchen Sinn von „aufgehoben“ ſtehen kann: in der andern 
laſſe ih mir die Windmühle gefallen, wenn „Wind“ nicht adverbial ſon- , 
dern objectiv genommen wird. 
Die Entſcheidung der Frage, ob das Bewegungsprinzip für die gene- 
tiſche Methode nothwendig ſei, überlaſſe i< denjenigen meiner Leſer, welche 
in der Philoſophie dieſer Methode bewanderter ſind als ich es bis ſeßt bin. 
Daß die Sitte, Beurtheilungen nur mit dem Anfangsbuchſtaben des 
Beurtheilers zu unterzeichnen, eine in dieſen Blättern faſt allgemeine iſt, 
hätte ven Verf, ein Bli> in dieſelben lehren können. Weil er jedoch eini- 
gen Nachdru> auf Anonymität meiner Beurtheilung zu legen ſcheint, und 
ich wünſchen muß, er möchte ſich in dieſer Beziehung keinen Täuſchungen 
hingeben , ſo nehme ich keinen Anſtand mich zu nennen: 
Ulm den 7. April 4850. 
C, W. Baur,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.