Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

. III. Berichte. 189 
des moraliſchen Gefühls; Unterricht in der Religion *), Calligraphie, Zeich- 
nen, Geſanglehre , Gymnaſtik. Der Lehrplan für das Gymnaſium be- 
ſtimmte , daß der Sprachunterricht den eigentlichen Bildungsſtoff ausmache 
und demſelben */3 der Lehrſtunden gewidmet werden, und erftre>te fich über 
die Deutſche, Franzöſiſche, Lateiniſche, Griechiſche , Hebräiſche Sprache, 
ſowie über die allgemeine Sprachlehre, ſodann über Mathematik, Himmels- 
kunde 3; alte Geographie; Geſchichte , Naturkunde; griechiſche, römiſche und 
deutſche Alterthümer 3 Encyklopädie der philoſophiſchen Wiſſenſchaften und 
Formalphiloſophie 3; Encyklopädie ver Wiſſenſchaften, Geſchma>sbildung ; 
Religion ; Anleitung die Univerſität zwe>mäßig zu benüßen. Auf ſechs 
reſp. 4 Quartſeiten werden einzelne Vorſchriften über Lehrform und Lehr- 
gegenſtände gegeben. Dieſe Lehrpläne ſind im Weſentlichen bis zum Jahre 
41844 die Richtſchnur geweſen, nach welcher der Unterricht auf den „Gelchr- 
tenſchulen“ (6. 16 des Edicts) ertheilt worden iſt. 
Im Jahre 1844 wurde der Regierungsreferent in Schulſachen, Reg.- 
Rath Dr. Seebode mit der Audarbeitung eines neuen Lehrplans für die 
Naſſauiſchen Gymnaſien beauftragt. Es haiten nämlich die Landſtände ein- 
gewilligt, daß für die Zukunft nur Dillenburg als Pädagogium fortbeſtehen, 
dagegen die Pädagogien in Wiesbaden und Hadamar ſowie das Gym- 
naſium in Weilburg ſich zu vollſtändigen Gymnaſien mit acht Claſſen und 
einjährigen Klaſſencurſen erweitern ſollten. Das betreffende landesherrliche 
Edict iſt vom 22. Juni 4844. Zu der Berathung eines neuen Lehrplans 
für dieſe Gymnaſien wurde eine Conferenz unter dem Vorſiße des Reg.- 
Directors Lex berufen, beſtehend aus dem Reg. - Rathe Seebode, den 
Oberſchulräthen Friedemann (Archivdirector in Jdſtein) und Meßler 
(Director des Gymnafiums in Weilburg) , vem damaligen Profeſſor , jebigen 
8) Der Unterricht in der ſogenannten allgemeinen Neligions - und Sittenlehre, der in 
neuerer Zeit in andern Ländern verlangt wird, wurde in Weilburg ſchon 4831 in der Weiſe 
geändert, daß der kath oliſch- confeſſionelle neben dem allgemeinen Plaß griff. Seit 4843 
wurde der Religionsunterricht vollſtändig confeſſionel =- in Folge großer Beſchwerden ter 
katholiſchen und proteſtantiſchen Geiſtlichkeit = und ausſchließlich in die Hände der Geiſtlich- 
keit gelegt , welche dafür eine Remuneration aus dem ſogenannten Centralſtudienfonds erhielt. 
Die dringenden Anträge einzelner Collegien , den confeſſtonellen Religionsunterricht in die 
Hänte eines wirklichen Mitgliedes der Lehrercollegien zu legen , ſcheiterten , obwohl vom Re- 
gierungsreferenten lebhaft unterſtüßt , ſtet8 an gewiſſen fremdartigen Einflüſſen , auc< an 
der Unluſt des Miniſteriums neue Gegenſtände des Zwiſtes mit dem biſchöflichen Kapitel 
hervorzurufen. Auch die Conferenz vom Jahre 4846 konnte nichts erwirken, weßhalb das 
Begleitſchreiben des 4846r. Lehrplans beſtimmt , daß der Religionsunterricht wie bisher durch 
die Geiſtlichen der betreffenden Confeſſionen ertheilt werden ſolle; doch wurde beigefügt, es 
ſei für angemeſſen erachtet worden , dafür einen beſtimmten Lehrplan durch die betreffenden 
geiſtlichen Behörden entwerfen zu laſſen , über deſſen Vollziehung demnächſt in den Schul- 
programmen das Nähere mitgetheilt werden ſolle. Dies „demnächſt“ iſt bis jezt noch nicht, 
wohl aber ein unvorhergeſehener Umſtand eingetreten. Die Landſtände haben nacb der Re- 
volution wie ſo manches vom Schulbudget, auch die Remuneration an die Geiſtlichkeit ge- 
geſtrichen. Die proteſtantiſche hat ſeit der Zeit ſich in Wiesbaden geweigert, länger den 
Unterricht an die ſchon confirmirten Gymnaſiaſten zu ertheilen , ſo daß ſeit dem Ja- 
nuar 1849, mitten im Semeſter, ein Gymnaſiallehrer mit der Ertheilung des Unterrichts 
beauftragt werden mußte. Die katholiſche Geiſtlichkeit hat aber vor wie nach den Unterricht 
in ber Hand behalten,
	        

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