Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

III. Berichte. 191 
mit allen Claſſen ins Leben traten , ſondern hauptſächlich im Jntereſſe einer 
ſelbſtändigen, von keinen fremden Zuflüſſen behelligten Entwi>elung die 
obern Claſſen erſt nach und nach ſowie es das Bedürfniß ergebe, zugefügt 
werden ſollten, ſo konnte einſtweilen der proviſoriſche Lehrplan genügen. 
Wie ernſt es aber ſchon damals der Herz, Regierung geweſen ſei , denſelben 
durch einen definitiven baldigſt zu erſeßen , und dem naſſauiſchen Gymnaſial- 
weſen im Allgemeinen eine beſondere Sorgfalt zu widmen, geht aus einer 
Mittheilung ves Hrn. Friedemann in dieſer Zeitſchrift Ill. , 4 hervor. 
Danach wurde derſelbe vom Herz. Miniſterium im Laufe ves Sommers 1846 
in Folge eines von ihm eingereichten längern Spezialgutachtens mit der 
Augarbeitung einer neuen Geſammtorganiſation der Gymnaſien beauftragt, 
die er nach eignen Erfahrungen und Ueberzeugungen in Wortfaſſung und 
Form förmlicher Entwürfe für alle landesherrlichen Edicte und Vollziehungs- 
inſtructionen mit den erforderlichen Motivirungen in der Weiſe abfaſſen 
ſollte, daß vas Ganze ſofort einer gemiſchten Commiſſion als Berathungs- 
ſtoff zur Beſchlußnahme für Vorlagen höchſten Orts unterbreitet werden 
könne. - Jnwieweit vabet Hrn. Friedemann die durch vas obige Reſcript 
vom 2%, 44 den einzelnen Lehrercollegien zur Pflicht gemachten gründlichen 
Gutachten mitgethetlt worden und ob dergleichen überhaupt erfolgt find, iſt 
dem Ref. nicht bekannt. Wenn Hr. Friedemann a. a. O. p. 48 weiter 
mittheilt, daß er dem in ihn geſebten ehrenvollen Zutrauen des Miniſte- 
riums ganz zu entſprechen , dadurch verhindert geweſen ſei, daß ſeine 
Vorarbeiten ſich nicht über alle Einzelnheiten bereits erftre>t hätten und der 
Termin zur Vollendung des Ganzen zufällig in die Grenzen der beiden 
heißeſten Monate eines an ſich ſchon heißen Jahres gelegt worden ſei und daß 
er als rechtlicher Mann , abgeſehen von allen Nebenumſtänden , eine Arbeit 
von ſolc<em Umfange und ſolcher Bedeutung für dieſen kurzen Termin mit 
einiger Hoffnung auf Gelingen nicht habe übernehmen können, ſo geht 
daraus hervor , daß er ven Auftrag des Herz. Miniſterii nicht vollſtändig 
erfüllt hat. Wir müſſen aber bedauern, daß Hr. Friedemann ſich nicht 
bemüßigt geſehen hat, einen weitern Grund anzuführen , weßhalb ihm das 
Herz. Miniſterium ven Auftrag wieder entzogen. Daß dieſer Grund keines- 
wegs etwa, wie es ven Anſchein haben könnte, in einer Haſt zu ſuchen 
geweſen , mit welcher vas Miniſterium vorgeſchritten , iſt Ref. zu behaupten 
befugt, wenn er auch jebt noh davon Umgang nimmt, vor dem Publikum 
die in Mager's Revue Auguftheft 4847 p. 468 gewünſchte „Geſchichte ver 
beiden Entwürfe“ nach dieſer Seite hin zu vervollſtändigen „um die theil- 
weiſe angeregte Verwunderung auf die rechten Punkte zu leiten und nach 
allen Seiten gerecht zu ſein.“ Wollte Hr. Friedemann nicht überhaupt 
von dem Verſuche Umgang nehmen , vor vem Publikum den allerdings auf- 
fälligen Umſtand zu erklären , wie es gekommen, daß er vom Herz. Staats- 
miniſterio zu ven 4846 erfolgenden Conferenzen gar nicht zugezogen ſei, ſo 
hätte er wenigſtens den wirklichen Grund dieſer Ausſchließung angeben 
ſollen , der ihm ſicherlich ebenſogut bekannt iſt als uns. Es würde dann 
freilich klar geworden ſein , daß ihm am wenigſten zukomme , über die
	        

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