Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

192 111. Berichte. 
Art und Weiſe, wie der neue Lehrplan geſchaffen, ſid in der Weiſe zu 
äußern , wie er es dort gethan hat, und wie es in ähnlicher Weiſe dei 
Mager a. a. O. geſchehen ift. 
In den Herbſtferien 1846 wurde nämlich vom Herz. Staatsminiſterium 
eine Conferenz berufen zur mündlichen Erörterung und zum gegenſeitigen 
Austauſch von Anfichten und Erfahrungen über eine Reviſion des bisherigen 
Lehrplans. Es ift hier nicht ver Ort, den Gründen nachzuforſchen, weß- 
halb das Miniſterium eine Sache in die Hand genommen, die früher zum 
Reſſort der Landesregierung gehörte. Perſönliche Abneigungen ſind in klei- 
neren Staaten nicht ſelten die Urſachen von Neuerungen und Maßnahmen, 
deren tiefer liegende Motive aufzuſuchen, ſid kaum der Mühe verlohnt. 
Nur ſei hier bemerkt, daß in jener Zeit nicht blos in Schulſachen vielfach 
Über- die Eigenmächtigkeit ves Miniſterii Klage geführt worven. Der Weg, 
den das Staatsminiſterium dabei einſchlug , war für Naſſau ein ganz neuer 
auch in andern Staaten dazumal minder gebräuchlich , als das nach den 
Märztagen des Jahres 1848 der Fall iſt. Es wurden nämlich zu der be- 
merkten Conferenz nicht, wie früher, blos die Directoren zugezogen, ſon- 
dern außer denſelben aus jedem Lehrercollegium ein Profeſſor berufen, end- 
lich dazu eine größere Anzahl von gebildeten Laien beſchieden, als das 
1844 der Fall geweſen. 
Dieſe Conferenz trat am 30. September zuſammen und dauerte dis 
zum 2. October. An ihren Berathungen, welche im Miniſterialgebäude 
unter dem Vorfiße des damaligen Miniſters von Dungern, eines auf- 
richtigen Freundes der Gymnafialſtudien, gehalten wurden, betheiligten 
fich der damalige Reg.-Präfident Möller, Reg.-Director Lex, Geh.-Rath 
Vollbracht, Geb.-Leg.-Rath M ax von Gagern, Miniſt.-Rath Kraft, 
die Reg.-Räthe von Löw und Seebode, die Gymn.-Directoren Meßler 
(von Weilburg), Kreizner (von Hadamar) und Lex *), der Pädagogial- 
rector La ve von Dillenburg, endlich die vier Gymn.-Profeſſoren Krebs 
von Weilburg, Kehrein von Hadamar, Wadernagel vom Real- und 
Firnhaber vom Gel.-Gymnaſium zu Wiesbaden. Nach den dabei ge- 
führten Protokollen entſchied fich die Conferenz zunächſt einſtimmig dahin, 
daß der achtjährige Gymnaſialcurſus auf einen neunjährigen auszudehnen 
ſei, die bisberige Zahl der wöchentlichen Lehrſtunden aber keinenfalls erhöht, 
lieber möglicht vermindert werden ſollte, damit dem Privatſtudium ein 
größerer Vorſchub geleiſtet werde. Namentlich ſolle vas leßte Jahr auf 
dieſe Weiſe eine Vermittlung zwiſchen dem Univerſitäts- und Schulſtudium 
anzubahnen ſtreben. Der Vorſchlag, daß in VIII mit vem Deutſchen, in 
VII mit vem Franzöſiſchen, erſt in VI mit dem Lateiniſchen zu beginnen 
ſei, konnte fich keine Zuſtimmung erwerben; es ſollte vielmehr in Anbetracht 
vaß das bisherige Ziel des Lateiniſchen Unterrichts unerreicht geblieben 
ſei, darauf Bedacht genommen werden , die lateiniſche Lectüre zu vermehren, 
*) Der ebenfalls dazu eingeladene Director des Realgymnaſiums Schulrath Müller 
war verhindert, theil zu nehmen.
	        

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