Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

194 III, Berichte. 
vie Theilnahme varan eine obligatoriſche ſein ſolle. Auch auf Schwimme-, Reit- 
und Tanz-Unterricht wollte man wie bisher Bedacht genommen ſehen, ſo wie die 
Rückficht auf das körperliche Wohl der beſonderen Sorgfalt der Directoren 
anempfohlen wurde , denen es für die Zukunft anheim gegeben werde , den 
„Unterricht des Morgens im Sommer ſchon um ſechs Uhr beginnen *) und 
größere Pauſen zwiſchen den einzelnen Lectionen eintreten zu laſſen, Endlich 
wurde es für gut gefunden , die jüngern Lehrer nicht wie bisher ausſchließ- 
lich oder hauptſächlich in den untern, ſondern mehr in den mittlern Claſſen 
zu beſchäftigen und wenn irgend thunlich , ven Geſang-, Schrteib- und Rechen- 
unterricht in den beiden unterſten Claſſen bis auf Weiteres in die Hände 
eines Mannes, und zwar eines ältern tüchtigen Elementarlehrers zu legen. 
Es liegt auf der Hand, daß die Reſultate dieſer dreitägigen Beſpre- 
<ungen erft einer beſondern Redaktion anheimfallen mußten 3 es konnte nur 
* die Frage ſein, ob eine ſol<e dem Regierungsreferenten oder einer beſon- 
dern Commiſſion aus Mitgliedern der Conferenz überwieſen werden ſollten. 
Der Herr Miniſter entſchloß ſich zu vem leßtern, indem er am Ende der 
Berathungen eine neue Commiſſion aus den obenerwähnten vier Profeſſoren**) 
zuſammenſeßte und dieſelbe beauftragte , unter vem Vorſiße des Geh.-Raths 
Vollbrac<t auf den Grund der in der Conferenz gefaßten Beſchlüſſe und 
getroffenen Beſtimmungen einen ſpeziellen Lehrplan zu verfaſſen und weitere 
Anordnungen vem Miniſterio vorzuſchlagen. Die Arbeiten dieſer Commiſſion 
dauerten vierzehn Tage und ergaben den unten mitgetheilten Lehrplan für 
die naſſauiſchen Gymnaſien, welcher unter vem 42, November ven Gym- 
nafien als vorläufig genehmigt mitgetheilt wurde. Das Begleitſchreiben 
verlangte, die Einführung deſſelben unter genauer und gründlicher Berathung 
mit ven Lehrercollegien bald möglichſt einzuleiten, jedoch bei dem Lehrplane 
vorzugsweiſe die Zielpunkte ins Auge zu faſſen, welche dur< den Gymnaſial- 
Unterricht erreicht werden ſollten, während der bei dem Unterrichte einzu- 
haltende Stufengang einer weitern EntwiFlung an der Hand der Erfah- 
rung und unter fortgeſeßtem lebendigen wiſſenſchaftlichen Verkehr der Lehrer 
ohne zu große Beſchränkung der Jndividualität unterliegen ſolle. Eine ſo 
rückſichtsvolle Sprache in Regierungserlaſſen iſt in jener Zeit in andern 
Ländern ſchwerlich an der Tagesordnung geweſen. 
Auch dieſer Lehrplan hat vas Geſchi> gehabt, im Lande mit großem 
Mißtrauen aufgenommen zu werden. Dazu wirkten verſchiedene Urſachen. 
Einestheils enthält er Beſtimmungen , welche den bisherigen Lehrgang total 
abänderten. Die Verlängerung des ganzen Gymnafſialkurſus erregte bei 
*) In der Schulordnung des Rector Cramer in Weilburg vom Jahr 1737 wurde be- 
ſtimmt , der Unterricht ſolle im Sommer um ſechs , im Winter um ſieben Uhr mit Geſang 
und Gebet eröffnet werden, 
.**) Inwiefern der Berichterſtatter in Mager's Revue Auguſt 4847 berechtigt iſt, dieſe 
Commiſſion im Gegenſatz zu derjenigen des Jahrs 1844 eine ſehr zahlreiche zu nennen, iſt 
bei dem arithmetiſchen Verhältniß der Zahlen 3 zu 5 ſchwer abzuſehen. Aber die Tendenz 
jenes Berichterſtatters, für ſich eine Lanze zu brechen, iſt auch aus andern Wendungen 
jenes Artikels erſichtlich.
	        

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