Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

196 III, Berichte. 
gung iſt mit Mißtrauen im natürlichen Zuſammenhange. Wir ſind weit 
entfernt , zu läugnen daß für die ältern Lehrer des naſſauiſchen Lanves etwas 
Verleendes darin lag, daß aus ihrer Mitte nur einer (Prof. Krebs jun. 
ſeit 4834 am Weilburger Gymnaſium angeſtellt) berufen war , die andern 
drei dagegen zu eben jenen mit Mißtrauen vornweg angeſehenen Ausländern 
gehörten. Wir müſſen dies Verfahren des Miniſteriums entſchieden für 
einen Mißgriff halten. Auf dieſe Weiſe konnte auch der ſonſt zur Erwir- 
kung einer größern Anerkennung eines neuen Lehrplanes führende Weg, ich 
meine , vie früher nicht dageweſene Einberufung eines Mitgliedes aus jedem 
Lehrercollegio außer vem Director, nur zum Gegentheile umſchlagen, denn 
vie berufenen Profeſſoren konnten fich begreiflicher Weiſe in der kurzen Zeit 
ihres naſſauiſchen Lebens noc< nicht den Grad des Vektrauens erwerben, 
welcher zu vem angegebenen Zwecke nothwendig ſcheint. Dazu kam , daß man 
es natürlich lieber geſehen haben würde wenn dieſe Profeſſoren von ihren Col- 
legien gewählt , nicht aber von der Regierung berufen worden wären z; daß 
endlich auch die Berufenen ganz außer Stand geſeßt waren, erſt vie Wünſche 
ihrer Collegen entgegenzunehmen, weil ſie nicht ahnen konnten, vaß ihnen 
ſolc<e Geſchäfte aufgetragen werden würden , und weil, als es geſchehen, 
fie entweder von ihren Collegen räumlich getrennt waren oder -- bei ein- 
getretenen Ferien -- zeitlich, oder wegen Peberhäufung mit den Geſchäften 
ihrer Aufgabe keine Zeit zu außerordentlichen Beſprechungen mit allen zu- 
fällig in Wiesbaden anweſenden naſſ. Schulmännern finden konnten. Es 
würde ferner auch begreiflich ſein, wenn vielleicht die Directoren einen 
Lehrplan mit kritiſcheren Augen betrachteten und für die Ausführung deſſelben 
minder anſtellig geweſen wären, um nicht geneigt zu ſagen, als wenn ſie 
ſelbſt bei ver Ausarbeitung deſſelben mitgewirkt hätten. Denn ein geſchrie- 
benes Wort bleibt voc< immer nur ein geſchriebenes, nicht ſelten verſchiedener 
Deutung fähiges 3 eine mißgünſtige oder überhaupt nur eine gleichgiltige 
Auffaſſung deſſelben, kann nicht anders als der Sache ſelbſt ſchaden. End- 
li< gehörte ver Lehrplan begreiflicher Weiſe auch nicht zu den enfans cheris 
ver Regierung, welche doch die Ausführung deſſelben überwachen, die vadurc< 
nöthigen Znftruktionen ausarbeiten mußte. Es war ein Mißgriff , daß der 
Referent für Schulangelegenheiten bei der Regierung von der Mitwirkung 
bei der Ausarbeitung des Lehrplans gänzlich ausgeſchloſſen war. Denn ab- 
geſehen davon , daß die reiche Erfahrung, welche ihm Keiner abſprechen 
kann, die Commiſſion vor manc<em Irrthum hätte bewahren können , lag 
in dieſer Umgehung eine Beleidigung für denſelben, die in vielfacher Hin- 
ficht eine nachtheilige Rükäußerung auf ſeine Stellung , den Lehrern und 
dem ganzen Schulweſen gegenüber haben mußte. Auch bei der größten 
Revlichkeit ver dabei Intereſſirten war deßhalb eine gewiſſe Abneigung von 
vornherein gegen ein Werk unausbleiblich, deſſen Beſtimmungen. von ſo 
vielen Seiten bekrittelt wurde , veſſen Autorität man an manchen Orten be- 
anſtandet ſah , deſſen Ausführung nicht mit der Entſchiedenheit in Angriff ge- 
nommen wurde, welc<e überall nothwendig iſt, zumal bei Schulangelegen- 
heiten , wenn. etwas Neues in das Leben gerufen werden ſoll,
	        

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