Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

III, Berichte, 197 
Wenn wir aber ſonach ſelbſt die Berechtigung zu einer gewiſſen Ab- 
neigung gegen den neuen Lehrplan anerkennen, ſo ſind wir doch weit ent- 
fernt, auch alle diejenigen Schritte gut zu heißen, die aus dieſer Abneigung 
entſprungen ſind, War der neue Lehrplan als Norm vorgeſchrieben , ſo 
hätte er auch ins wirkliche Leben vollſtändig gerufen werden müſſen. Denn 
erft an ver Hand der Erfahrung ergibt ſich's, ob die beanſtandeten Be- 
ſtimmungen lebensfähig und gedeihlich ſind oder nicht: ein ernſter Verſuch, 
das Gebotene nach beſtem Willen und Wiſſen auszuführen, wird beſſer ſein, 
als alle aprioriſchen Verdammungen. Allen macht man's nie recht, das 
werden jeßt auch diejenigen erfahren, die in gewählten Commiſſionen an 
der Augarbeitung neuer Schulorganiſationen mitarbeiten. Es iſt aber ver 
neue Lehrplan , wie die Schulprogramme und Schulexamina ausweiſen, 
bisher in einzelnen Dingen ganz“ unbeachtet geblieben. Das mißbilligen 
wir , inſofern nicht eine Erläuterung über den Grund und die Anläſſe einer 
ſokc<en Abweichung gleichzeitig gegeben wurde. Jn höherem Grade aber 
muß es der Mißbilligung anheimfallen, wenn von verſchiedenen Seiten in 
öffentlichen Blättern Unwahrheiten, ja! Lügen über die Schiſale des neuen 
Lehrplans vor und nach ſeiner Geburt verbreitet worden ſind. Von der 
wegwerfenden Art, mit welcher Hr. Friedemann, der, wie geſagt, zu 
den Arbeiten nicht zugezogen geweſen, in dieſer Zeitſchr. a. a. O. ſich über 
den neuen Lehrplan ausläßt, will ich ganz ſchweigen. Aber unwahr iſt es, 
was in Mager's pädag. Revue Juni 1847 p. 469 ſteht, daß, ſeitdem 
ein Angriff auf den neuen Lehrplan puncto der franzöſiſchen Sprache in 
der Viehoff-Hering'ſchen Zeitſchr. erſchienen, alle an die naſſ. Lehrer 
vertheilten gedruckten Exemplare des neuen Lehrplans amtlich von der Re- 
gierung zurügefordert ſeien , ſo daß nunmehr derſelbe der Oeffentlichkeit 
vollſtändig entzogen werde. Das ganze in ſo beſtimmter Weiſe mitgethbeilte 
Faktum reducirt ſich darauf, daß die Regierung verfügte , es ſollten die ge- 
druckten Exemplare eingebunden und mit dem Bibliotheksſtempel verſehen 
werden, zu welchem Behufe dieſelben an den Director, nicht aber an die 
Regierung für ein paar Tage eingeliefert werden mußten. Nach dieſen 
wenigen Tagen befindet ſich wieder ein jeder Lehrer in dem uneingeſchränkten 
Beſitße eines vollſtändigen Exemplars, ſoweit die vorhandene Anzahl der 
abgezogenen und als Manuſcript gedrukten 50 Exemplare ausreichen. 
Hr. Mager mag die obenerwähnte Nachricht wohl von ſeinem gewöhn- 
lichen Referenten aus Naſſau erhalten haben, dem er dachte , Glauben 
ſchenken zu dürfen ; er würde ſonſt dieſelbe nicht mit ſolcher Beſtimmtheit 
gegeben haben. Ihm rechnen wir dies falsum nicht an. Aber ſein Cor- 
reſpondent hat, wenn er ein aktiver naſſ. Schulmann war , jedenfalls gegen 
beſſeres Wiſſen eine ſolche Unwahrheit verbreitet z und wenn dieſer es nicht 
einmal vermocht hat, jene Unwahrheit vollſtändig zurüFzunehmen, als er 
im Auguſtheft deſſelben Jahrg. p. 467 ſeine Erfindung wieder berührte , ſo 
muß die ganze Manipulation no< mehr in die Kategorie der unehrlichen 
Werke geſeßt werden. 
Allerdings konnte die Nicht-Veröffentlihung des neuen Lehrplans ſolchen
	        

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