Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

198 IIN. Berichte. 
Gerüchten im Auslande Vorſchub leiſten. Verſchiedene Redactionen haben 
ſich vergeblich an die Regierung gewendet mit ver Bitte, ihnen Behufs der 
Veröffentlichung ein Exemplar des neuen Lehrplans mitzutheilen. Bei dem 
allgemeinen Intereſſe der Zeit an allen Neugeſtaltungen im Gymnaſialweſen, 
bei vem Vorgange Preußens , in ſolchen Dingen keine Heimlichkeit vor- 
walten zu laſſen, war das allerdings auffällig. Wir haben unſern Theils 
auf die Bitte mehrerer Redactionen das Geſuch derſelben bei Herz. Mini- 
ſterium unterſtüßt , wurden aber ſtets dahin beſchieden, daß keine Exemplare 
zur Mittheilung vorräthig, außerdem eine Mittheilung doch vann erſt wün- 
ſc<enswerth ſei, wenn aus ven proviſoriſchen Beſtimmungen definitive er- 
wachſen und alle Ausführungen veranlaßt ſeien, welche durch den neuen 
Lehrplan unumgänglich geboten würden. Es blicb aber dabei ſelbſtverſtanden 
ven einzelnen Lehrern überlaſſen , nach ihrem Gutdünken den neuen Lehr- 
plan zu veröffentlichen. Denn wenn auch die Bewahrung des Dienſtge- 
heimniſſes den Lehrern im Allgemeinen zur Pflicht gemacht iſt, ſo konnte 
voch der Lehrplan unmöglich in die Categorie der Dienſtgeheimniſſe fallen, 
da einestheils die Lehrberichte in den Schulprogrammen der allgemeine 
AusdruF deſſelben ſind , anderntheils in einzelnen Programmen die Haupt»- 
punkte deſſelben z. B. in dem Hadamarer vom J. 1847 mitgetheilt waren, 
endlich der Vorgang des Hrn. Friedemann, der den Lehrplan von 4844 
veröffentlicht hatte, zeigen konnte, daß die Veröffentlichung eines Lehrplans 
zu ven Dienſtvergehen in Naſſau unmöglich gerechnet werve, Die Redactoren 
ves Lehrplans würden alſo vollkommen in ihrem Rechte ſein, wenn ſie 
ihres Theils behaupten wollten, die Nichtveröffentlichung ihres Lehrplans 
durch die ſonſt ſchreibſeligen Berichterſtatter über frühere naſſ. Schulvrgani- 
ſationen u. dergl. babe vielmehr die Abſicht verfolgt, eine vorurtheilsfreie 
Beurtheilung und mögliche Anerkennung deſſelben im Auslande geradezu 
abzuſchneiden. 
Fragt man, weßbalb denn die Redactoren des Lehrplans nicht ſelbſt 
ſich beeilt haben, denſelben zu veröffentlichen, ſo bin ich nicht berufen, auch 
nicht im Stande, die Urſachen anzugeben, weßhalb meine Collegen ge- 
ſchwiegen. I< ſelbſt habe lange die Abſicht ver Veröffentlichung gehabt, 
auch mein dießfalſiges Verſprechen der verehrl. Redaction d. Z. ſchon im 
Winter 48**/,. gegeben, habe mir ſelbſt, da ich als Ausländer die beſtehende 
Praxis nicht kannte, die Erlaubniß dazu von dem damaligen Miniſter ein- 
gebolt; wurde aber anfänglich durch die Abſiht, mit ver Veröffentlichung 
zugleis eine Antwort auf etwaige Kritiken und Angriffe zu verbinden = 
denn außer der ſchon erwähnten Kritik des Lehrplans im Franzöſiſchen war 
mir nichts bekannt geworden -- ſpäter durch die politiſchen Ereigniſſe und 
andere literariſchen Arbeiten daran gehindert. Jnzwiſchen hat in Folge 
ver Märztage eine allgemeine Lehrerverſammlung des Landes , welche zu 
Pfingſten 1848 in Wiesbaden abgehalten wurde, unter die große Zahl 
ihrer Deſiderien auch den Wunſch aufgenommen , eine neu zu wählende 
Commiſſion mit der Aufgabe zu betrauen, einen neuen Lehrplan auszu- 
arbeiten, hat alſo vamit ihre Verurtheilung des gegenwärtigen offen ausge-
	        

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