Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

IIT, Berichte. 199 
ſprochen, allerdings ohne Beifügung von Gründen, zu deren Aufſtellung die 
damalige Zeit weder geeignet noch ausreichend geweſen ſein mag, aber in 
defto entſchiedenern Ausdrü>en. Jn Folge dieſes Beſchluſſes, bei welchem 
freilich die Mehrzahl der beſchließenden aus Real - und Elementarlehrern 
beſtanden , zögerte ich mit der Veröffentlichung , weil ich hoffte, durch die 
Vorlage des zu erwartenden neueſten Lehrplans zeigen zu können, in wie 
weit ver Lehrplan von 4816 zurüFgeworfen ſei. Da indeſſen die nac< langem 
Säumen von der Regierung zur Reorganiſation des Geſamt - Schulweſens 
in Naſſau einberufene Commiſſion, beſtehend aus zwei von ven Lehrercolle- 
zien der drei Gymnaſien und des Pädagogiums gewählten Gymnaſtiallehrern 
(Director Kreizner aus Hadamar und Conrector Dieß aus Wiesbaden) 
aus einem von ven Lehrern des Realgymnaſiums (Director Müller aus 
Wiesbaden), einem von den Lehrern der Realſchulen (Pfarrer und Landes- 
deputirter Creuz aus Dieß), einem von den Lehrern des Seminars 
Conrect. Meiſter aus Idſtein), zwei von ſämmlichen Elementarlehrern 
des Landes gewählten Elementarlehrern (Wel>er aus Wiesbaden und 
Riebl aus Camberg) , denen die Regierung noch einen Lehrer ves land- 
wirthſchaftlihen Jnſtituts (Prof. Dr. Medicus aus Wiesbaden), und 
einen Dirigenten in der Perſon ves Regierungsraths v. Gagern (ſpäter 
v. Löw, und dann Schepp) beigegeben, -- ausdrüclich erklärt hat, ohne 
daß es zu dieſer Erklärung erft der von den Lehrercollegien in Hadamar, 
Weilburg und Dillenburg gegen eine ſolche Befugniß eingereichten Proteſte 
bedurft hätte, daß ſie die Ausarbeitung eines neuen Lehrplans nicht als 
Gegenſtand ihrer Aufgabe anſehe, da dieſelbe ferner auch wirklich ihre 
Thätigkeit beſchloſſen hat, ohne einen neuen Lehrplan auszuarbeiten, da es 
endlic< bei vem augenblilichen Umſchwunge *) der Dinge den Anſchein nicht 
e- 
8) Damit die auswärtigen Leſer den Ausdru> verſtehen, bemerke ich, daß die eben ge- 
nannte Commiſſion den Entwurf einer neuen Schulorganiſation zwar vollendet hat, derſelbe 
aber biöher ad acta gelegt zu ſein ſcheint ; daß derſelbe in einem der wichtigſten Punkte 
jedenfalls zu ſpät kam , indem die Zuſammenſeßung der oberſten Schulbehörde bereits durch 
das mit den Landſtänden vereinbarte Geſe über die Organiſation der Centralverwaltung 
ihren Abſchluß gefunden. Danach ſteht das geſammte Unterrichtsöweſen in Zukunft unter 
dem Miniſterium des Innern , zu deſſen Geſchäftskreis die Aufſicht über alle öffentlichen und 
Privat-Unterricht8anſtalten und über die dazu beſtimmten öffentlichen Fonds, die unmittel- 
bare Verwaltung des Centralſtudienfonds und der Schullehrer - Wittwen - und Waiſenkaſſe 
gehören. Für den Unterricht bleibt in der Miniſterialabtheilung des Innern als techniſcher 
Referent ein Schulrath , der für die Zukunft ein an das Gutachten eines ihm beigegebenen 
und von ihm dirigirten Schulcollegiums gebundenes Stimmrecht ausübt. Das Schulcol- 
legium ſoll außer dem Dirigenten aus drei Mitgliedern beſtehen, von welchen das eine das 
Gelehrte-, bas andere das Real- das dritte das Bolks-Schulweſen vertreten ſoll. Seit Neu- 
jahr 1850 iſt dies Schulcollegium proviſoriſch zufſammengeſeßt aus dem bisherigen Referenten 
Regierungsrath See bode und zwei Mitgliedern für das BVolköſchulweſen , dem bisherigen 
Stadtſchulinſpector Ebenau und dem katholiſchen Stadtpfarrer Dekan Petme >y. Da 
beide Mitglieder Theologen ſind, ſo iſt damit ein Verhältniß wieder eingetreten, das im 
Herzogthum ſchon lange beſeitigt war , (1790 wurde der erſte weltliche Schulrath angeſtellt), 
auf deſſen Beſeitigung andere Staaten in neuerer Zeit entſchieden gedrungen haben. Das 
Gelehrte und Real-Schulweſen hat bei dieſer Zuſammenſehung des Schulcollegiums keinen 
Bertreter und ſcheint einen ſolchen auch einſtweilen nicht erhalten zu ſollen , da in dem
	        

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