Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

210 . IT, Berichte. 
müſſen immer Erercitien an niedergeſchriebenen oder blos gehörten deutſchen 
Dictaten gehen, in welchen das Feſthalten des bereits abſolvirten Syntac- 
tiſchen und die feinere Styliſtik over Eleganz des Ausdrucks , zugleich be- 
rücſihtigt wird. 
Die Erklärung ver Spracherſcheinungen und Sprachgeſeße tritt, wo ſie 
hier nöthig wird, in mehr wiſſenſchaftlicher Weiſe auf. Die Lectüre, welche 
zum Theil mit ſchriftlicher, Vollkommenheit anſtrebender deutſcher Ueber- 
ſebung zu verbinden iſt, dient zwar immer noch mit zur Befeſtigung und 
Erweiterung der Sprachkenntniß, aber fie hat no< in höherem Grad den 
Zwe der künftleriſchen Bildung. Jn Claſſe 11 werden mittelſchwere Reden 
Cicero's, wie pro Murena, pro Roscio Amerino, pro Milone, pro Sextio, 
'pro Plancio in rhetoriſcher Beziehung, ausgewählte Briefe deſſelben , als 
hifioriſch wichtige Documente und als für die Gewandtheit in der Styliſtik 
ausnehmend förderlich, geleſen und erklärt; Livius und Salluſt meiſt in 
curſoriſcher Lectüre erſcheinen mehr nach ihrem hiſtoriſchen und ſtyliſtiſchen 
Werthe gewöhnlich mit lateiniſcher Beſprechung, Horaz als Lyriker, Elegiſches 
in Sammlungen nach ſeinem poetiſchen Werth und Jnhalt. Zn Claſſe I 
lernt der nun ſchon herangereifte Schüler Cicero als Philoſophen und Rhe- 
toriker, Quinctilitan als Literarhiftoriker, die kernhafte Geſchichtsauffaſſung des 
Tacitus, Horaz in ſeinen Epiſteln und Satiren nach der Vollkommenheit 
ihrer Form und nach der darin enthaltenen Lebensweisbeit, allenfalls auch 
"die Ausbildung ver Comödie bei ven Römern in Stüken von Terenz und 
Plautus kennen. Die“ Aufgabe der Erklärung iſt der Bau des Kunſtwerkes 
und der ſcharfe Umriß des Gedankenganges und jedes einzelnen Saßes. 
Die Kritik iſt nur dann zu berüſichtigen , wenn damit in grammatiſcher 
oder äſthetiſcher Beziehung ein Gewinn erzielt, over ein tieferer Bli in 
den Zuſammenhang des Geleſenen gethan wird. 
Die Privatſtudien, welche in dieſem Curs von der größten Bedeutung 
ſind, werden ſich in der unterſten Abtheilung , der Claſſe II mehr dem La- 
teiniſchen, in ven beiden obern Abtheilungen mehr dem Griechiſchen zuwenden. 
Der Lehrer muß dieſelben Anfangs der lebten Stufe des vorhergehenden 
Curſus gemäß , vann immer ſteigernd zu leiten ſuchen, ſo daß der Schüler 
vurch die That die Ueberzeugung erhält, daß er ſelbſt fich forthelfen und 
' auch ohne weitere Hülfe bedeutende Fortſchritte machen könne, wodurc< nicht 
allein ver wiſſenſchaftlihe Trieb in ihm gewe>t , erhalten und gefteigert, 
ſondern auch ein erhebendes Vertrauen in die eigenen Kräfte, bei redlichem 
Wollen und eifriger Anſtrengung hervorgerufen und befeſtigt wird. 
Die griechiſche Sprache. 
Allgemeines, 
Dieſelbe ſoll von Claſſe V bis I, alſo 6 Jahre lang und zwar 
Schüler von 43 bis 49 Jahren gelehrt werden. Bei der Vertheilung dieſes 
Lehrſtoffes in Claſſen, muß auf zweierlei Rückſicht genommen werden : 
4) darauf; daß die Elementarbildung in antiker Sprache bereits an ver 
Lateiniſchen durchgeführt ift, ehe der Unterricht im Griechiſchen beginnt, und
	        

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