Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

919 - 111, Berichte. 
Zweiter Curſus,. 
II. und I. Claſſe (a und b). | 
In der 11. Claſſe werde die Moduslehre auf wiſſenſchaftliche Weiſe 
entwikelt und durch zahlreiche Beiſpiele aus vem Deutſchen ins Griechiſche 
eingeübt. Wo ſonft grammatiſche Erörterungen durch Exercitien und Lectüre 
nothwendig werden, muß überall Zurückführung auf allgemeine Principien 
eintreten. Die Lectüre bieten Xenophons Meimnorabilien, Herodot, oder 
„Plato's leichtere Dialogen, wie Crito, Apologie, Laches , Alcibiades 1., 
Hippias (major), Jon, Charmides , Menerenus , und Homers Jliade, 
welche ſo behandelt werden müſſen, daß das Künſtleriſche darin zum Be- 
wußtſein kommt und der Schüler eine Vorſtellung von des Schriftſtellers 
oder Werkes Stellung in der Culturgeſchichte erhält. 
3n I. Claſſe find der Leſeſtoff, der immer als Kunſtwerk behandelt 
werden muß , mittelſ<were Dialogen des Plato, wie Protagoras, Gorgias, 
Meno, Phädo, Cratylus, Phädrus, Sympoſium, de republica, Demoſthenes 
orationes Philippicae, Midiana, de corona, de falsa legatione, allen- 
falls in Vergleichung mit Aeſchines, Thucydives Geſchichte , lyriſche Antho- 
logien , Tragödien des Euripides und des Sophocles. 
Zwedkmäßige kurze Einleitungen geben auch hier das Nöthige über 
Leben und Schriften der Autoren , ſowie über veren Stellung in der Cultur- 
geſchichte. Exercitien mögen von Zeit zu Zeit vorgenommen werden. 
In den ſhriftlihen und au< mündlichen Ueberſeßungen , welche der 
Lehrer in vem zweiten Curſe machen läßt , ſehe er darauf, daß die künft- 
leriſche Vollendung des Originals, auch in der deutſchen Sprache möglichſt 
nachgebildet werde. Uebungen im Lateiniſchen und im Ueberſeßen ins La- 
teiniſche können höchſtens an Repetitionen angeſchloſſen werden. 
Für die Privatlectüre genügt die Andeutung beim lebten Curs des 
Lateiniſchen. 
Franzöſiſche Sprache und Literatur, 
Allgemeines. 
Die franzöſiſche Sprache und Literatur wird auf den Gymnaſien gelehrt, 
um den Jüngling durch Einführung in eine zwar moverne , aber doch fremde 
Welt, Denkweiſe und Sprache , geiſtig zu bilden und ihm die Fähigkeit zu 
verleihen, daß er die Schriften, welche in dieſer Sprache abgefaßt ſind und 
ihm als Gebildeten oder für ſein Fachſtudium nahe liegen, verſtehen und 
fich der Sprache ſelbſt zur Converſation über ſol<e Gegenſtände mit Leichtig- 
keit bedienen kann, . 
- Das Ziel iſt alſo : Leichtigkeit ves Verſtändniſſes ſowohl von proſaiſchen 
Schriftſtellern , als auch von Dichtern, und Fertigkeit im mündlichen und 
ſchriftlichen Ausdruk. Das Ziel iſt zu erreichen durch ſtete Uebung im 
Ueberſeßen aus dem Deutſchen ins Franzöſiſche und durch zwe>mäßige Lectüre, 
verbunden mit früßgeltigen und ſehr fleißigen Sprechübungen.
	        

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