Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

111. Berichte. 2915 
ſtand und Gemüth des Lernenden einzuwirken, namentlich auch deſſen Ge- 
ſinnung durch die Theilnahme an dem Guten, Schönen und Wahren aller 
Zeiten zu bilden, wie die Liebe zum Vaterlande zu fördern, ergibt ſich als 
Aufgabe deſſelben: das ganze Gebiet der alten Geſchichte mit Her- 
vorhebung der Heiligen , Römiſchen, Griechiſchen, ſodann die deutſche 
Geſchichte in möglichſter Ausführlichkeit, mit Hinzuziehung ver Geſchichte 
anverer Völker , ſoweit durch dieſelbe das richtige Verftändniß der deutſchen 
Geſchichte bedingt wird, und mit Berückſichtigung der Naſſauiſchen Spezial- 
Geſchichte in ihren bedeutenderen Momenten und hervorragenden Perſönlich- 
keiten. Alle wirklich Epoche machenden“ Begebenheiten der Weltgeſchichte 
werden außerdem ſorgfältig erläutert, die eigentliche Univerſalgeſchichte 
jedoch wird der Univerſität als Aufgabe geſtellt. 
Ausführung im Einzelnen, 
1. Der Geſchichtsunterricht zerfällt in drei Curſe, jever von drei 
Jahren , jeder mit erweitertem, dem Auffaſſungsvermögen der Schüler an- 
gemeſſenen Geſichtskreiſe , ſo daß der Stoff der erwähnten Aufgabe während 
des neunjährigen Gymnaſialcurſus den Hauptzügen nach dreimal zur An- 
ſchauung der Schüler gelangt. Jeder einzelne Curſus wird möglichſt von 
einem und demſelben Lehrer begonnen und vollendet. Daß ein Lehrer die 
Schüler vurch zwei Curſe führe, iſt weder leicht ausführbar , noch eben räthlich. 
9. Der erſte Curſus iſt der biographiſche in zwei wöchentlichen 
Stunven. Die Geſchichtserzählung wird an vas Bild ausgezeichneter Per- 
fönlichkeiten , gleichſam der Träger ihrer Zeit, ver Schöpfer aller großen 
Entwielungen geknüpft , aber in <ronologiſcher Folge gehalten. Können 
nicht alle bedeutende Charaktere innerhalb des Raumes der angegebenen 
Aufgabe geſchildert werden, obwohl der dreijährige Curs vem Lehrer ein 
weites Feld eröffnet, auch die ausführliche Behandlung der bibliſchen Ge- 
ſchichte meiſtens vem Religionsunterrichte anheim fällt, ſo ſind do die 
wichtigſten bis ins Spezielle hinein darzuſtellen. Der ethiſche Zwe der 
Geſchichte tritt als Hauptſache hervor, der einzelne geſchilderte Charakter 
muß in der Erinnerung des Schülers von der Seite des Reinmenſchlichen 
und Sittlichen daſtehen. 
Voran muß eine Einleitung gehen , welche anknüpfend an vie bibliſche 
Geſchichte ven Schüler aus der engen Welt ſeiner Heimath, in die Ferne 
der Zeit und des Raumes verſeßt und eine Ueberſicht des Geſchichtsgebietes 
in ven allgemeinſten Umriſſen ertheilt. Nebenher gehen vielfache , ftets ſorg- 
fältige Repetitionen, die das feſte Einprägen ver Hauptperioden und Haupt- 
zahlen , nicht etwa in ſogenannten runden, ſondern in beſtimmten Zahlen 
bezwe>en. Gelegentlich werden die Zeitrechnungen nach und vor Chriſto, 
wie nach Erbauung Roms erläutert. Mögen die Bilder , welche der Lehrer 
entwirft, auch nur Bruchſtüke ſein, die Verbindung derſelben bleibt ven 
folgenden Curſen aufbewahrt. Aber jedes einzelne Gemälde muß mit leben- 
digen Farben geſchildert werden , damit das Intereſſe des kindlichen Geiftes,
	        

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