Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

216 IIT, Berichte, 
der ohnehin für indivivdualiſirte Erzählungen am Empfänglichſten iſt, ange- 
regt, belebt und dieſem Unterrichtszweige gewonnen werde, Der Lehrer 
wird deßhalb vermeiden, die Geſchichtsftunde zu einer bloſen Leſeſtunde zu 
machen 3 er wird aus vem biographiſchen Handbuche (z. B. von Schwarz) 
keinen Abſchnitt leſen laſſen, ehe er für denſelben ſeine Schüler durch freien 
Vortrag intereſſirt hat, mag der Leßtere auch cine ſorgfältige Vorbereitung 
verlangen. Dann wird die Lectüre zugleich in ſprachlicher Hinſicht um ſo 
fruchtbarer, als das Intereſſe daran nicht mehr vom Hebel der Neugierde 
allein getragen wird. Außer dem biographiſchen Handbuche tritt als Hilfs- 
mittel des Unterrichts eine <ronologiſch - tabellariſche Ueberſicht ein, ſowie 
ver Gebrauch von Wandkarten empfohlen wird. 
3. Der zweite Curſus iſt die vorbereitende Stufe der zuſammen- 
hängenden Entwikelung des angegebenen Geſchichtspenſums , in drei wöchent- 
lichen Stunden, weil an den Geſchichtsunterricht derjenige der alten und 
mittleren Geographie angeſchloſſen wird. Der Leßtere ſoll nicht ſelbſtſtän- 
dig , ſondern nur als Hilfsmittel ves Geſchichtsunterrichts daſtehen. Hier 
ſollen vie Völker, zunächſt des Alterthums, möglichſt individualiſirt werden. 
Fand der vorige Curs keine Gelegenheit z. B. auf die älteſte Geſchichte der 
Inder , Aegypter, Phönizier , einzugehen , ſo werde hier eine Darſtellung der 
orientaliſ<en Völkergruppen gegeben. Vom Orient gehe man zu den 
Griechen und Römern, und präge das eigentlich Faktiſche ver politiſchen 
äußeren Geſchichte dieſer Völker feſt ein, do< nie, ohne vorher die Heimath 
der Völker, die mögliche Einwirkung der Natur des Landes auf die Lebens- 
art, den Charakter und die Ausbildung der intellectuellen Fähigkeit ſeiner 
Bewohner etwa in der Weiſe, nur kürzer, geſchildert zu haben, wie es 
Lev in ſeiner Geſchichte Jtaliens gethan hat und Herder's Jdeen Ill, 13, 
ausführen. Wenn auch auf dieſer Stufe nicht weiter als nur ganz obenhin 
auf das Verfaſſungsleben dieſer Völker eingegangen werden kann , ſo nehme 
man doch beſondere Rückſicht auf die Sitten und Gebräuche, ſoweit dieſelben 
in dem Privatleben hervortreten. Die Privatalterthümer der Griechen und 
Römer werden auf dieſe Weiſe mit leichter Mühe eingeprägt und zu einem 
trefflichen Hilfsmittel für die Lecture ver Schriftſteller. Hauptaufgabe bleibt 
indeſſen die äußere Geſchichte dieſer Völker. Es reiht ſich daran die Mace- 
voniſche , Aegyptiſche und Syriſche Geſchichte und das Aufgehen dieſer Reiche 
in die Nömiſche Weltherrſchaft. Ueber die Erſcheinung und Ausbreitung 
des Chriſtenthums geht es zu den Germaniſchen Völkern, deren Urgeſchichte 
Sitte , Religion erzählt wird. Völkerwanderung und die daraus entſtehen» 
den Reiche; deren Zerſtörung dur< Griechen, Araber, Franken. Geſchichte 
der Carolinger in allen drei Stämmen. Geſchichte der Deutſchen bis zum 
Ende des ſiebenjährigen Krieges, angeknüpft an die Kaiſergeſchichte nach 
Kohlrauſch's Manier. Das Bild der Grie<en, Nömer und Deutſchen muß 
dem Schüler klar und lieb werden, dabei ſollen die epochemachenven Be=-. 
gebenheiten , (Kreuzzüge , Entdekung Amerika's 2c.) immer ſchärfer hervor- 
treten und genau geſchildert werden. 
Eine Ueberſicht des Geſammtgebietes der Geſchichte ſoll auch hier als
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.