Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

II, Berichte. 297 
fältig zu prüfen, jedoch im Allgemeinen darüber zu wachen, daß ein ohnehin 
koſtſpieliger Wechſel der Lehrbücher nicht zu häufig eintrete. Die Einführung 
neuer Lehrbücher beſtimmt die Lehrerconferenz. 
2. Die Privatarbeiten der Schüler der oberſten Claſſen ſollen ſpeciell 
bezweden, den öffentlichen Unterricht ergänzend und belebend zu unterftüßen, 
die eigenthümliche Geiſtesrihtung des Einzelnen zu fördern, hauptſächlich 
aber zum freien der eigenen Einſicht und dem innern wahren Triebe folgen- 
ven Studium der Univerſität hinzuleiten und ſo die Vermittlung zwiſchen 
vem methodiſchen Princip der Schule und der Univerſität herbeizuführen. 
Die Lehrer werden deßhalb dieſe Privatarbeiten ſorgfältig regeln und über- 
wachen, etwa darauf hinwirken, daß jeder Schüler ein beſonderes Buch 
anlege, in welches er ein Verzeichniß der von ihm während der ganzen 
Schulzeit privatim geleſenen Schriften und die daraus gemachten Auszüge 
einträgt , ſowie, daß er z. B. die Schriften der Claſſiker, welche im Lehr- 
curſus mehr nach ihrer formellen Schwierigkeit geordnet ſind, jebt mehr in 
<ronologiſcher Folge ihrer Entſtehung theils wiederholend , theils von Neuem 
leſe , überhaupt nach beſtimmten Richtungen hin verfolge. Zur Beförderung 
dieſer ſo ſehr wichtigen Privatſtudien ſind in die oberſten Claſſen weniger 
Stunden gelegt, und ſollen außerdem von Zeit zu Zeit ſogenannte Arbeits- 
tage, theils einzelne, theils mehrere hintereinander , eingeführt werden, über 
deren Einrichtung die Gymnaſial-Programme der preußiſchen Provinz Sach- 
ſen (z. B. von Eisleben, Naumburg, Schleuſingen) vom Jahre 4844 und 
1845 das Nöthige zu freier Auswahl darbieten. 
c) Die Sorge für körperliches Wohl ver Schüler betreffend. 
Auf die Betreibung der gymnaſtiſchen Uebungen ſoll ungeſäumt Bedacht 
genommen werden. | 
Dieſelben ſtehen unter Verantwortlichkeit , Aufſiht und Leitung eines 
beſonderen Lehrers, doch wird vorausgeſebt, daß auch die übrigen Lehrer 
ihre Theilnahme vurc< häufige Anweſenheit bezeugen und ſo in Gemeinſchaft 
mit Erſterem darüber wachen, daß alles Ungehörige und Zwewidrige fern 
gehalten werde. Die Uebungen ſelbſt ſollen ſich mehr auf das Einfache be- 
ſchränken und in einem ſtufengemäßen Gange zu dem Schwereren (nie Ge- 
künftelten) führen. Fechtunterricht gehört nicht zu dieſen öffentlichen Uebungen, 
dagegen ſoll zum Shwimm=- und Reitunterricht Gelegenheit dargeboten werden. 
Zu der Theilnahme an den gewöhnlichen gymnaſtiſchen Uebungen find 
alle Schüler verpflichtet z ſie können davon nur auf den ausdrülichen ſchrift- 
lichen Wunſch der Eltern dispenſirt werden. 
Die Sorge für das körperliche Wohlbefinden der Schüler verlangt 
weiter die Abſtellung aller Unzuträglichkeiten, welche aus der Beſchaffenheit 
des Schullocals etwa entſpringen könnten, ſowie die Geſtattung von Pauſen 
zwiſchen ven einzelnen Unterrichtsſtunden. Es bleibt ven Directoren über- 
laſſen , ſtatt aller andern Pauſen zwiſchen ven Morgenſtunden eine längere 
von 20 bis 30 Minuten in der Mitte der Morgenſtunden einzurichten , zur 
Hälfte der letzten , zur Hälfte der folgenden Lection abgenommen, Ebenſo
	        

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