Full text: Zeitschrift für das Gesamtschulwesen : mit besonderer Rücksicht auf die Methodik des Unterrichts - 2.1850 (6)

232 I. Abhandlungen. 
(ein Verfahren, das uns nicht einen glatt geſponnenen Faden, 
ſondern eine knotige Schnur liefert); eine Darſtellung, die an 
feiner Stelle die Nothwendigkeit ſehen läßt, warum hier gerade 
dies und nichts anderes beſpro<en wird; eine Darſtellung end- 
lim, die erſt dann zum BVerſtändniß gelangt, wenn man am 
Ende mit einigem Geſchi> die leitenden Maximen herausgefunden 
hat, ohne welche das Ganze ein unbegriffenes Kunſtſtü> bleibt! 
Will man ſich von der Richtigkeit dieſer Bemerkungen überzeugen, 
ſo leſe man ein paar Kapitel aus Neutons Prinzipien, in wel- 
<en alle Mängel der dogmatiſchen Darſtellung ſchärfer als ſonſt 
wo hervortreten.“ =- Mag ſein, aber warum verweist S<16- 
mil< auf ein phyſiſch-mathematiſ<es Werk als Muſter der ſyn- 
thetiſ<en Darſtellung, da es ſich ja um reine Mathematik, zu- 
nä<ſt um die Elementargeometrie, handelt, wo überdies heut- 
zutage die betreffende Darſtellungsform no< am allgemeinſten 
feſtgehalten wird? Sollten wir bei Jemand eine Vorſtellung 
von derſelben erwecken, ſo würden wir auf Euklids Elemente 
als auf das Hauptmuſter der ſynthetiſchen Darſtellungsform ver- 
weiſen, wel<he man auch die altklaſſiſche , griechiſche oder eutli- 
diſche nennen kann. Oder warum verweist er nicht auf Werke, 
wo die ſynthetiſche Form no< verfehlter angebrac<t, no< un- 
glüFliher gehandhabt iſt, etwa auf Chr. Wolffs Anfangs- 
gründe aller mathematiſchen Wiſſenſchaften ? Daß eine Dar- 
ſtellungsform bei dem einen Gegenſtand mehr, bei dem andern 
weniger ſich eignen kann, läßt ſich erwarten, nicht minder , daß 
ſie in dieſem Werk beſſer als in jenem gehandhabt iſt; daß die 
euflidiſche Weiſe ſelbſt namhafter Berbeſſerungen fähig iſt, geben 
auch wir zu, allein über das Weſen der ſynthetiſchen Form ſind 
wir ganz entgegengeſesßter Anſicht. Auf dieſes wollen wir daher 
nun etwas gründlicher eingehen, als S<hlömil< thut. 
Nah der ſynthetiſchen Methode werden die einzelnen Sätze, 
deren Inbegriff die Wiſſenſchaft (oder ein abgeſchloſſenes Stü> 
derſelben) bildet, als ebenſoviele Gleichſam-Ganze hingeſtellt, für 
ſich abgehandelt und na< Baumeiſterart zuſammengeſetzt, ſo daß 
in dem Inbegriff jeder ſeine beſtimmte Stelle hat. Dies ſcheint 
mir dem Wortſinn gemäß das Weſen der in Frage ſtehenden 
Darſtellungsform zu ſeinz zur näheren Beſtimmung haben wir
	        

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